W+M-Serie: MdB OST – Die ostdeutschen Bundestagsabgeordneten/Teil 7

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Von den 736 Mitgliedern des 20. Deutschen Bundestages sind insgesamt 146 Vertreter aus Ostdeutschland inkl. Berlin, die direkt oder über die Landesliste ihrer Partei in den Deutschen Bundestag gewählt wurden und nun dort die Interessen Ostdeutschlands vertreten. Aktiv im Wahlkreis, in den Fraktionen und in den unterschiedlichsten Ausschüssen stehen sie für ihre Wahlversprechen und den Spagat zwischen lokalen, regionalen und überregionalen Interessen.

W+M befragte alle Bundestagsabgeordneten aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Es ging dabei um die Stärken und Probleme der einzelnen Wahlkreise und für welche wirtschaftlichen und infrastrukturellen Projekte sie sich dort einsetzen wollen. Nicht jeder hat die Gelegenheit genutzt, aber die  Antworten sind ausreichend, um insgesamt und im Einzelnen einen guten Überblick über die Situation in den ostdeutschen Regionen und ihre Perspektiven zu vermitteln.

Im Teil 7 der Serie kommen zu Wort:

Susanne Henning-Wellsow (Die Linke), Carlos Kasper (SPD), Jana Schimke (CDU), Ruppert Stüwe (SPD), Dr. Herbert Wollmann (SPD), Stefan Zierke (SPD)

Susanne Henning-Wellsow, Die Linke

Susanne Henning-Wellsow. Foto: Krause

Diplom-Pädagogin, *13.10.1977 in Demmin
Wahlkreis: Erfurt – Weimar – Weimarer Land II/Thüringen
Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen
susanne.hennig-wellsow@bundestag.de

Welche wirtschaftlichen Stärken und Probleme gibt es in Ihrem Wahlkreis?

Geprägt durch die De-Industrialisierung nach dem Zweiten Weltkrieg sowie Anfang der 1990er Jahre haben sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen in meinem Wahlkreis deutlich verbessert, wenngleich die Folgen bis heute spürbar sind. Dies betrifft nicht nur die im Schnitt in Ostdeutschland immer noch niedrigeren Löhne.

Längst hat auch der Strukturwandel Thüringen erfasst; die LINKE drängt hier auf begleitende Maßnahmen, für uns geht es darum, dass die Transformation sozial und ökologisch ausgerichtet und von demokratischer Mitbestimmung geprägt ist. Nicht lediglich die Imperative von Konkurrenz und Markt sollen dabei maßgeblich sein, sondern die gesellschaftlichen Interessen sowie gute Arbeit für die Beschäftigten.

Rückgrat der Wirtschaft sind in einem Wahlkreis die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen. Es liegt eine gesunde Mischung aus industriellen Produktionskapazitäten, ausgeprägtem Logistik- und Dienstleistungssektor sowie der Verknüpfung von Hochschulen in Erfurt und Weimar mit der mittelständischen Wirtschaft vor.

Gleichzeitig stehen mit den Ansiedlungen im Bereich Logistik (bspw. Amazon) und CATL im Industriegebiet am Erfurter Kreuz große Herausforderungen große Veränderungen an. Es muss oberste Priorität sein, nicht nur Arbeitsplätze zu schaffen, sondern auch die Tarifbindung zu steigern und grundsätzlich die Arbeitsbedingungen zu verbessern, also Kriterien wie gute Arbeit zu unterstützen. Aber auch hochtechnologische Produktionskapazitäten wie bei X-Fab in Erfurt bieten Raum für erheblichen Wachstum. Hier gilt es das Wachstum auf Nachhaltigkeit und Qualität auszurichten.

Für welche wirtschaftlichen und infrastrukturellen Projekte in Ihrem Wahlkreis werden Sie sich einsetzen?

Die infrastrukturelle Anbindung meines Wahlkreises zwischen ländlichen Regionen und den Städten ist sehr wichtig. Insbesondere die hohen täglichen Zahlen von Pendler*innen nach Erfurt erfordern einen reibungslosen und bezahlbaren ÖPNV. Wir setzen uns hier bundesweit für den Ausbau ein, unser längerfristiges Ziel ist ein kostenloser ÖPNV.

Die Blumenstadt Erfurt und auch die Klassikerstadt Weimar verfügen über einen vitalen Tourismussektor. Diesen gilt es weiter mit anderen Regionen Thüringens zu verzahnen, ohne die eigenständigen Profile zu verlieren. In besonderem Maße müssen wir uns mit der Fachkräftegewinnung für die Branche auseinandersetzen. Hier braucht es soziale und gerechte Regeln für notwendige Zuwanderung und deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften.

Innenstädte sollen Orte der Vielfalt sein, das Besondere und Charakteristische wollen wir erhalten und Strukturen fördern, die eine vitale und lebenswerte Umgebung schaffen. In der Corona-Pandemie haben sich Probleme verschärft, steigende Ladenmieten und der zunehmende Online-Handel gab es aber auch schon zuvor. Wir treten für eine Mietpreisbremse bei gewerblichen Mieten ein, auch um dem Leerstand in den Innenstädten zu begegnen. Es sollen nicht nur große Ketten, sondern auch kleine Buchläden und beispielsweise die Vermarktung von regionalen Produkten Platz in den Innenstädten haben.

 Carlos Kasper, SPD

Carlos Kasper. Foto: Stefan Kraft

Zollbeamter, *03.09.1994 in Lichtenstein/Sachsen
Wahlkreis: Chemnitzer Umland – Erzgebirgskreis II/Sachsen
Finanzausschuss
carlos.kasper@bundestag.de

Welche wirtschaftlichen Stärken und Probleme gibt es in ihrem Wahlkreis?

Der Südwesten von Sachsen hat ein enormes wirtschaftliches Potential. Im sogenannten „Speckgürtel“ von Chemnitz und Zwickau sind hochgradig innovative Unternehmen der Automobil- und Maschinenbaubranche ansässig. In enger Zusammenarbeit mit der West-sächsischen Hochschule Zwickau und der TU Chemnitz werden Forschung und Entwicklung im Bereich der Mobilität und Industrie der Zukunft vorangetrieben. Betrachtet man beispielsweise die Innovationsförderung durch das Bundesprogramm ZIM, dann sind es vor allem sächsische Unternehmer:innen und Hochschulen, die im Bundesvergleich nach Baden-Württemberg die meisten Gelder erhielten. Eine zügige Wiederauflegung dieses Förder-instruments ist aus meiner Sicht dringend geboten, um die Wettbewerbsfähigkeit zu halten.

In größeren Teilen ist der Wahlkreis „Chemnitzer Umland“ recht ländlich geprägt. Eine intakte Infrastruktur für Transport und Logistik ist daher essentiell. Die fehlende Fernverkehrsanbindung der Region mit der Bahn hat den Wirtschaftsstandort lange Zeit in gewisser Weise benachteiligt. Mit der zügigen Schaffung von umsteigefreien Angeboten von Chemnitz nach Berlin und dem Ausbau der Bahnstrecke Chemnitz-Leipzig sind wichtige Weichen gestellt worden.

Was mich persönlich sehr umtreibt, ist das weiterhin niedrige Lohnniveau vor allem im Erzgebirge. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums aus dem letzten Jahr liegt der Niedriglohnanteil hier bei über 43 Prozent. Nicht nur die damit einhergehende geringere Kaufkraft, sondern auch die abwandernden Fachkräfte und die drohende Altersarmut sind besorgniserregend. Der Preisdruck von vielen ansässigen Zulieferbetrieben bei oftmals komplexen Lieferketten spielt in dieser Entwicklung ebenfalls eine wichtige Rolle.

Für welche wirtschaftlichen und infrastrukturellen Projekte in ihrem Wahlkreis werden Sie sich einsetzen?

„In diesem Jahrzehnt gilt es die Weichen für eine soziale und ökologische Wirtschaft zu stellen. Gemeinsam mit den Unternehmer:innen, Industrieverbänden und Hochschulen müssen wir im konstruktiven Dialog Wege und Mittel finden, unsere Produktion und unseren Konsum nachhaltig umzustellen. Aus diesem Grund gilt es Forschung und Entwicklung in meinem Wahlkreis nach Kräften zu fördern und die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen zu intensivieren.

Darüber hinaus möchte ich mich für den raschen zweigleisigen und elektrifizierten Ausbau der Bahnstrecke Chemnitz-Leipzig sowie für die Mitte-Deutschland-Verbindung einsetzen. Letztere schafft einen zusätzlichen Brückenschlag von Nordrhein-Westphalen oder Frankfurt am Main nach Dresden über Chemnitz. Die schnelle und verlässliche Erreichbarkeit des Wirtschaftsstandortes Südwestsachsen wird für die Zukunft entscheidend sein. Insbesondere, wenn die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene langfristig realisiert werden soll. Hierfür sind weitere Investitionen für Transport und Logistik nötig.

Bezüglich des Lohnniveaus freue ich mich, dass wir uns innerhalb der Koalition auf einen Mindestlohn von 12 Euro bereits im ersten Regierungsjahr verständigen konnten. Mit der einmaligen Anhebung stellen wir vor allem Ostdeutsche und darunter wiederum insbesondere Frauen besser. Das „Billiglohnland Sachsen“ muss der Geschichte angehören.

Neben den angesprochenen Feldern gilt es nach den harten Zeiten der Corona-Pandemie auch die Tourismus- und Kulturbranche wieder mehr in den Blick zu nehmen. Gerade im Chemnitzer Umland haben wir eine lebendige Kulturszene und eine Reihe von attraktiven Tourismusgebieten vom Muldental bis ins Erzgebirge.“

Jana Schimke, CDU

Jana Schimke. Foto BK

Diplom-Politikwissenschaftlerin, *06.09.1979 in Cottbus
Wahlkreis: Dahme-Spreewald – Teltow-Fläming III – Oberspreewald-Lausitz I/Brandenburg
Ausschuss für Tourismus
jana.schimke@bundestag.de

Welche wirtschaftlichen Stärken und Probleme gibt es in ihrem Wahlkreis?

Der Osten ist auch 32 Jahre nach dem Mauerfall wirtschaftlich nach wie vor anders aufgestellt als die alten Länder. Bei uns befinden sich weder die Zentralen der größten deutschen Hersteller, noch gibt es bei uns Familienunternehmen, die eine 100-jährige Geschichte aufweisen. Dafür haben wir eine Vielzahl an kleinen und mittelständischen Familienbetrieben, die nach der Wende entstanden und nun in zweiter Generation geführt werden. Wir erleben gerade eine massive Nachfrage nach Gewerbeflächen und die Ansiedlung von internationalen Unternehmen der Digitalbranche. Aber es gibt auch junge Gründer, die ihre Ideen von Biotechnologie bis Gastronomie hier vor Ort umsetzen und ihrer Heimat treu bleiben. Unsere Stärken liegen in der guten Anbindung nach Osteuropa, der direkten Verbindung nach Berlin, aber auch einer Reihe von weichen Standortfaktoren, wie Kitaplätzen und Lebensqualität.

Die wirtschaftlichen Entwicklungspotenziale unserer Region sind noch nicht ausgeschöpft. Das bestätigen die Aussagen von Kennern der Wirtschaft. Woran es manchmal fehlt, sind koordinierte Strategien von Bund und Land bis zur Kommune. Gute Ideen scheitern manchmal am Sachbearbeiter in der Verwaltung oder auch am politischen Willen in den Ministerien. Das treibt mich um, weil ich weiß, dass es mutige Menschen mit guten Ideen gibt.

Für welche wirtschaftlichen und infrastrukturellen Projekte in ihrem Wahlkreis werden Sie sich einsetzen?

Durch den Ukraine-Krieg, die explodierenden Energie- und Spritpreise, aber auch die Gefährdung von Lieferketten und Materialengpässen kommen wir gerade zu einer völligen Neubewertung unserer wirtschaftlichen Lage sowie der politischen Prioritäten in unserem Land. Mir ist es wichtig, dass wir jetzt alle Gesetzgebungsvorhaben auf den Prüfstand stellen und ein Belastungsmoratorium für die Wirtschaft einführen. Die Frage, wie und ob ein Gesetz unsere Unternehmen durch Bürokratie und neue Kosten belastet, muss im Vordergrund stehen. Der Fachkräftemangel wird zusätzlich immer existenzbedrohender für viele Betriebe. Ohne Mitarbeiter wird keine Straße oder Haus gebaut und auch keine Heizung saniert. Das thematisiere ich auch, wenn ich an den Schulen unterwegs bin. Was Brandenburg betrifft, so sollten wir auch den Kohleausstieg mit Blick auf die Versorgungssicherheit der Menschen in den Blick nehmen. Das habe ich schon vor der Energiekrise gesagt. Ich setze mich für alles ein, was diesem Land und den Menschen dient, sei es die digitale Infrastruktur oder die Förderung von Mobilität durch Straßen, Schienen und Radwege. Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass wir durch ein Anwachsen der Einwohnerzahlen einen stetigen Druck auf die soziale Infrastruktur erfahren. Der Neubau von Kitas, Schulen und Horten ist heute daher ebenso wichtig, um der Region eine Zukunft zu geben.

Ruppert Stüwe, SPD

Ruppert Stüwe. Fotp: Photothek

Diplom-Volkswirt, *21.05.1978  in Berlin
Wahlkreis: Berlin-Steglitz-Zehlendorf
Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
ruppert.stuewe@bundestag.de

Welche wirtschaftlichen Stärken und Probleme gibt es in ihrem Wahlkreis?

In Steglitz-Zehlendorf befindet sich mit dem Campus Benjamin Franklin der Charité-Universitätsmedizin und der Freien Universität ein wichtiger Wissenschaftsstandort in Berlin. So sind in der Region 29 Institute und Forschungseinrichtungen angesiedelt. Mit seinen knapp 150 Unternehmensgründungen seit 1998 ist die Freie Universität Berlin ein wichtiger Grund für die über 40 produzierenden und entwickelnden Unternehmen in der Medizintechnik, Pharmazie und Biotechnologie in Steglitz-Zehlendorf. Auch befinden sich in Steglitz-Zehlendorf insgesamt 19 Kliniken. Aber auch der gut sortierte Einzelhandel ist eine große Stärke, mit der Schloßstraße findet sich im Bezirk eine der wichtigsten Einkaufsstraßen in ganz Berlin.

Infolgedessen ist in Steglitz-Zehlendorf ein reges wirtschaftliches Ökosystem angesiedelt. So sind in Steglitz-Zehlendorf – verbunden mit der hohen Kaufkraft – 21.719 Gewerbebetriebe bei der Industrie- und Handelskammer und 2.257 Gewerbebetriebe bei der Handwerkskammer eingetragen.

Für welche wirtschaftlichen und infrastrukturellen Projekte in ihrem Wahlkreis werden Sie sich einsetzen?

Die Wirtschaft in Steglitz-Zehlendorf für die Zukunft standfest machen.

Auch die Wirtschaft in Steglitz-Zehlendorf wurde durch die Corona-Pandemie hart getroffen. Insbesondere der Einzelhandel wurde durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie stark belastet. Deswegen ist es mir wichtig, dass die Bundesregierung und das Land Berlin die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, damit sich die Wirtschaft in meinem Wahlkreis schnell erholen kann.

Zeitgleich wird der Einzelhandel in Steglitz-Zehlendorf auch zunehmend dadurch negativ beeinträchtigt, dass sich der Verkauf von Waren an den Endkonsumentinnen und -konsumenten zunehmend in den digitalen Bereich verschiebt. Aus diesem Grund muss der Einzelhandel besonders geschützt werden. Die Schloßstraße soll auch in der Zukunft ein lebendiges und gesellschaftlich bedeutsames Zentrum in Steglitz-Zehlendorf und Berlin bleiben.

Auch die steigenden Energiepreise und Lebensmittelpreise müssen von der Politik beachtet werden. Menschen mit limitierten finanziellen Möglichkeiten müssen entlastet werden. Deswegen unterstütze ich ausdrücklich das Entlastungspaket der Ampel-Koalition.

Modernisierung der Infrastruktur in Steglitz-Zehlendorf

Als Bundestagsabgeordneter möchte ich mich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Freie Universität und der Campus Benjamin Franklin der Charité-Universitätsmedizin von der Politik alle Unterstützung erhalten, welche sie benötigen, um ihrer gesellschaftlichen Funktion nachzukommen und das wissenschaftliche Potenzial von Steglitz-Zehlendorf und der Studentinnen und Studenten in Berlin zu verwirklichen.

Seit Langem setze ich mich zudem dafür ein, dass der ÖPNV in Steglitz-Zehlendorf ausgebaut wird, indem u. a. die Stammbahn Potsdam-Berlin reaktiviert wird. Auch setze ich mich für den zweigleisigen Ausbau der S25 und der S26 ein. In absehbarer Zeit wünsche ich mir eine Verlängerung der U-Bahn-Linie 3 sowie langfristig einen Ausbau der U9 in Berlin.

Es ist mir ausgesprochen wichtig, dass auch in Steglitz-Zehlendorf mehr bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht. Hierfür ist es essenziell, dass auch die Wohnungen in der neuen Wohnsiedlung Neu Lichterfelde in Lichterfelde Süd erschwinglich sein werden, damit alle Menschen, die gerne in Steglitz-Zehlendorf wohnen möchten, sich ein Leben hier leisten können.

Dr. Herbert Wollmann, SPD

Dr. Herbert Wollmann, MdB, SPD. Copyright: photothek.net

Arzt, *14.01.1951 in Berlin
Wahlkreis: Altmark/Sachsen-Anhalt
Sportausschuss, Gesundheitsausschuss
herbert.wollmann.mdb@bundestag.de

Welche wirtschaftlichen Stärken und Probleme gibt es in ihrem Wahlkreis?

Die beiden Landkreise Stendal und Altmarkkreis Salzwedel (=mein Wahlkreis Altmark 66) bilden eine einheitliche Wirtschaftsregion mit vorwiegend ländlicher und landwirtschaftlicher Prägung. Die Wirtschaftsstruktur ist in einer breiten Branchenvielfalt von einigen weltweit agierenden Unternehmen sowie von zahlreichen leistungsfähigen und innovativen kleinen und mittleren Unternehmen geprägt.

Mit einer hohen Zahl an Beschäftigten sind die Handwerksbetriebe die größten Arbeitgeber im Wahlkreis. Die Landwirtschaft hat im Wahlkreis eine lange Tradition.

Als größtes Problem wird zunehmend der Fachkräftemangel erkannt. Dies zeigt sich besonders im medizinischen Bereich; Fachärzte und niedergelassene Ärzte finden immer schwieriger Nachfolger für Praxen. Aber auch die Handwerksbetriebe leiden unter Nachwuchsmangel, wobei auch über eine oft nicht ausreichende Schulbildung bei Bewerbungen geklagt wird.

Für welche wirtschaftlichen und infrastrukturellen Projekte in ihrem Wahlkreis werden Sie sich einsetzen?

Verkehrsprojekte, die derzeit im Bundesverkehrswegeplan 2030 im vordringlichen und weiteren Bedarf sind, müssen realisiert werden. Dies sind z.B. A 14 Nordverlängerung incl. B190n, OU im Zuge der B188 und B71.

Die medizinische Versorgung in der Region muss sichergestellt werden. Eine fehlende flächendeckende Gesundheitsversorgung verunsichert die Bevölkerung. (demografische Entwicklung – älterwerdende Bevölkerung), z.B. durch intersektorale Gesundheitszentren oder mit „mobilen Facharztpraxen“: Dabei werde ich mich für eine ambulante-stationäre integrierte Versorgung einsetzen.

Stefan Zierke, SPD

Stefan Zierke. Foto: Maximilian König

Werkzeugmacher/Reiseverkehrskaufmann/Tourismusfachwirt, *05.12.1970 in Prenzlau
Wahlkreis: Uckermark-Barnim I/ Brandenburg
Ausschuss für Tourismus
stefan.zierke@bundestag.de

Welche wirtschaftlichen Stärken und Probleme gibt es in ihrem Wahlkreis?

Mein Wahlkreis Uckermark Barnim I ist durch seine flächenmäßige Größe und Vielfältigkeit gekennzeichnet. Da er vom Berliner Speckgürtel bis an die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns und Polens reicht, gibt es oftmals regionale Unterschiede, die sich sowohl in Stärken als auch Problemen ausdrücken.

Im Süden des Wahlkreises sorgt der Zuzug aus Berlin beispielsweise für Wachstumsschmerzen, die sich in steigenden Mietpreisen und einer angespannten öffentlichen Infrastruktur zeigen. Je weiter man sich dagegen von Berlin entfernt, desto stärker verkehren sich die Problemstellungen in das Gegenteil. Im eher ländlichen Raum sind etwa ein niedriges Lohnniveau, Leerstand und eine geringere Kaufkraft die Herausforderungen.

Insgesamt überwiegen jedoch die wirtschaftlichen Stärken im Wahlkreis deutlich. So zeichnet sich die Region durch eine kreative, vielfältige und innovative Wirtschaftslandschaft aus. Fleißige, mittelständische Unternehmen und außergewöhnliche wirtschaftliche Leuchtturmprojekte sorgen für eine starke regionale Wirtschaft. Zu nennen ist hier beispielsweise Schwedt als zentraler Standort für die Energiewirtschaft und industrielles Herz der Uckermark oder aber Eberswalde mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung als Innovations- und Wissenszentrum im Bereich von Natur, Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Barnim.

Eine Vorreiterfunktion nimmt meine Heimat vor allem in zwei Bereichen ein: Im Tourismus und bei den erneuerbaren Energien. Dank der atemberaubenden Landschaft und der einzigartigen Natur, haben sich die Uckermark und der Barnim zu einem Hotspot für Wander-, Wasser- und Naturtourismus entwickelt. Eine starke und attraktive Tourismuswirtschaft, Gastfreundschaft und tolle Beherbergungsmöglichkeiten fördern eine positive Entwicklung. Im Bereich der erneuerbaren Energien ist mein Wahlkreis mit einer umfassenden Produktion von grünem Strom aus Sonne, Biomasse und Wind zum Spitzenreiter geworden. Der regionale Einstieg in die grüne Wasserstoffproduktion und –nutzung ist in dieser Hinsicht ein Zeichen für die Zukunftsfähigkeit unserer regionalen Energiewirtschaft.

Für welche wirtschaftlichen und infrastrukturellen Projekte in ihrem Wahlkreis werden Sie sich einsetzen?

Grundsätzlich bin ich auch in den nächsten vier Jahren ein zuverlässiger Ansprechpartner für die Interessen der Unternehmen und Beschäftigten in meinem Wahlkreis. In der Vergangenheit konnten wir gemeinsam schon oft dafür sorgen, dass etwa Fördergelder in die Region fließen oder gesetzliche Rahmenbedingungen verbessert werden.

Als tourismuspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion werde ich einen Schwerpunkt meiner Arbeit auf unseren starken Tourismus vor Ort legen. Hier gilt es, etwas gegen den bestehenden Fachkräftemangel zu tun und die Rahmenbedingungen für einen echten Neustart der Branche nach zwei langen Pandemiejahren zu schaffen.

Für eine erfolgreiche regionale Wirtschaft bedarf es außerdem vor allem eine intakte und zuverlässige Infrastruktur. In diesem Bereich werde ich auch weiterhin dafür kämpfen, dass das ÖPNV-Angebot in meinem Wahlkreis weiter ausgebaut und die Mobilität zwischen Berlin und Stettin gestärkt wird. Moderne Infrastruktur und ordentliche Daseinsvorsorge sind wichtige Standortortfaktoren – diese weiter zu stärken muss eine stetige gemeinsame Aufgabe sein.

 

Bisher erschienen:

Teil 1:  Knut Abraham, Philipp Amthor, René Bochmann, Ingo Bodtke, Dr. Gregor Gysi, Christian Hirte,

Teil 2: Friedhelm Boginski, Katrin Budde, André Hahn, Thomas Heilmann, Ralph Lenkert, Claudia Müller

Teil 3: Johannes Arlt, Sonja Eichwede, Fabian Funke, Dr. Ottilie Klein, Martin Kröber, Tina Rudolph

Teil 4: Dr. Dietmar Bartsch (Die Linke), Annika Klose (SPD), Ariane Fäscher (SPD), Philipp Hartewig (FDP), Antje Tillmann (CDU)

Teil 5: Clara Bünger (Die Linke), Hannes Gnauck (AFD), Daniela Kluckert (FDP), Enrico Komming (AFD), Jan-Wenzel Schmidt (AFD), Gerald Ullrich (FDP)

Teil 6: Dr. Marcus Faber (FDP), Christian Görke (Die Linke), Reginald Hanke (FDP), Ulrike Harzer (FDP), Dr. Jan-Marco Luczak (CDU), Dietrich Monstadt (CDU)

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