Sonntag, Juni 23, 2024

Wirtschaftlicher Aufschwung in Sachsen lässt weiter auf sich warten

Konjunkturumfrage der sächsischen IHKs im Frühjahr 2024: Wirtschaftlicher Aufschwung lässt weiter auf sich warten

Gegenüber der Konjunkturbefragung zum Jahresbeginn 2024 hat sich die Stimmung in der sächsischen Wirtschaft insgesamt nur leicht aufgehellt. Während sich die Geschäftslage nochmals geringfügig verschlechtert, legen die Erwartungen der Unternehmen merklich zu. Damit steigt auch der IHK-Geschäftsklimaindex nach seinem Absturz im Herbst 2023 wieder auf aktuell 99 Punkte.

Trotz dieser positiven Entwicklung sind die Aussichten der sächsischen Unternehmen immer noch verhalten. Die Rezessionsängste lassen zwar nach; ein nachhaltiger konjunktureller Aufschwung ist daraus jedoch nicht abzuleiten. Die Konjunkturrisiken sind nach wie vor erheblich. Weiterhin belasten die schwächelnde Nachfrage aus dem In- und Ausland sowie hohe Kosten die sächsischen Unternehmen stark.

„Die Geschäftserwartungen sind zwar weiterhin negativ, aber optimistischer als am Jahresanfang. Mit sinkender Inflation und rückläufigen Zinsen sollte sich die Situation in der 2. Jahreshälfte bessern. Voraussetzung ist, dass sich die Konsum- und Investitionszurückhaltung löst. Die Politik darf nicht warten, bis noch mehr Unternehmen die Puste ausgeht. Sie kann durch bessere Abschreibungsregeln sowie die Senkung von Steuern und Abgaben unterstützen. Zudem braucht es eine verlässliche und berechenbare Politik – gerade im Bereich Energie- und Nachhaltigkeit. Der Weg zur Klimaneutralität ist insbesondere für energieintensive Unternehmen teuer und häufig fehlt es an Kapital sowie der notwendigen Planungssicherheit für die Finanzierung,“ sagt Martin Witschaß, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Chemnitz.

Geschäftslage und Erwartungen

Die Geschäftslage der sächsischen Unternehmen hat sich in den vergangenen Monaten aufgrund von Kostensteigerungen und schwacher Nachfrage nochmals leicht verschlechtert.

Der Lagesaldo sinkt um drei auf aktuell 12 Punkte. Mit Blick auf die Wirtschaftsbereiche ist einzig im Baugewerbe und bei den Dienstleistern ein Anstieg des Saldowertes zu beobachten. Aufgrund des anhaltend hohen Kostendrucks haben sich die Erträge branchenübergreifend negativ entwickelt. Der Saldo sinkt um vier auf aktuell -35 Punkte.

Hinsichtlich ihrer finanziellen Situation berichtet aktuell ein Viertel der Unternehmen von Eigenkapitalrückgängen. Insbesondere für kleine Unternehmen mit geringeren Rücklagen kann das existenzbedrohend wirken. Jeweils elf Prozent beklagen eine hohe Fremdkapitalbelastung sowie zunehmende Forderungsausfälle. Einen erschwerten Zugang zu Fremdkapital melden acht Prozent.  Drei Prozent der Betriebe befürchtet eine drohende Insolvenz. Im Vorjahr war es noch ein Prozent gewesen.

Im Gegensatz zu den Lagebeurteilungen legen die Geschäftserwartungen der sächsischen Betriebe zu. Vor allem der Anteil der pessimistischen Stimmen sinkt von 35 auf 27 Prozent, während die optimistischen Stimmen leicht von 12 auf 15 Prozent zulegen. Im Ergebnis klettert der Prognosesaldo auf nunmehr -12 Punkte. Damit liegt der Saldo zwar weiter im negativen Bereich, nähert sich aber der Nulllinie an. Bei unverändert schwierigen Rahmenbedingungen lässt das verbesserte Ergebnis für das laufende Jahr dennoch nur ein stagnierendes bis schwaches Wirtschaftswachstum erwarten.

Branchenüberblick

In der sächsischen Industrie hat sich die Geschäftslage gegenüber dem Jahresbeginn verschlechtert. Die guten und schlechten Lageurteile halten sich aktuell etwa die Waage, sodass der Saldo bei einem Punkt liegt. Der Vorjahresvergleich zeigt eine Saldoverschlechterung um 30 Punkte. Die Geschäftserwartungen können nach dem Einbruch in der zweiten Hälfte des letzten Jahres wieder leicht zulegen, bleiben aber angesichts anhaltend hoher Kosten und einem schwierigen konjunkturellen Umfeld mit aktuell ‑13 Punkten weiter deutlich im negativen Bereich.

Der Abwärtstrend im sächsischen Baugewerbe scheint vorerst gestoppt. Die Kapazitätsauslastung steigt und auch die Auftragseingänge entwickeln sich positiv, auch wenn der Saldo weiter im negativen Bereich verharrt. Entsprechend verbessern sich auch die Geschäftserwartungen, aber auch hier überwiegen weiterhin die pessimistischen Stimmen.

Den Höchstwert der Lageurteile erreicht das Dienstleistungsgewerbe. Der Saldo aus guten und schlechten Beurteilungen steigt erneut leicht auf aktuell 37 Punkte, den mit Abstand besten Wert aller Wirtschaftsbereiche. Auch die Geschäftsaussichten sind mit einem Saldo von 2 Punkten wieder leicht im positiven Bereich.

Die Lageeinschätzungen im Handel haben sich im Vergleich zum Jahresbeginn verschlechtert. Neun von zehn Befragten berichten von einem zurückhaltenden Kaufverhalten, welches sich negativ auf die Umsätze und die Erträge auswirkt. Der immense Kostendruck lässt die Preise im Handel – insbesondere bei Lebensmitteln – immer weiter steigen. Die Geschäftserwartungen fallen entsprechend negativ aus, haben sich aber sowohl im Einzel- als auch im Großhandel im Vergleich zur Vorumfrage gesteigert.

Das Verkehrsgewerbe bildet bei den Lagebewertungen im Branchenvergleich mit -12 Saldopunkten gemeinsam mit dem Einzelhandel das Schlusslicht. Durch die zuletzt gestiegenen Mautsätze, weiterhin hohe Kraftstoffpreise und anhaltend hohe Arbeitskosten haben sich die Erträge bei zwei von drei Befragten verschlechtert. Angesichts konjunkturbedingt schwacher Auftragseingänge fallen auch die Umsatzerwartungen verhalten aus. Nur neun Prozent rechnen mit einer sich verbessernden Geschäftslage. Mit ‑30 Punkten ist der Prognosesaldo im Verkehr ebenfalls der Schlechteste unter allen betrachteten Wirtschaftsbereichen.

Im sächsischen Gast- und Tourismusgewerbe erreicht der Lagesaldo erneut neun Punkte und hat sich damit im Vergleich zur Vorumfrage nicht verändert. Die Erträge haben sich aber angesichts rückläufiger Umsätze und anhaltend hoher Kosten negativ entwickelt. Der Erwartungssaldo verbessert sich zwar leicht um sechs Punkte, bleibt mit -19 Punkten aber deutlich im negativen Bereich.

Investitionen, Beschäftigung, Risiken

Aufgrund fehlender Konjunktursignale bleiben die Investitionsabsichten der sächsischen Unternehmen im laufenden Jahr äußerst zurückhaltend. Die schwierigen wirtschaftspolitischen Rahmen- und Investitionsbedingungen haben dazu geführt, dass ein Drittel der Befragten Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten Investitionen zurückgestellt bzw. eingefroren hat. Der gewaltige Investitionsstau, der sich mit Beginn der Corona-Pandemie aufgebaut hat, bleibt demnach bestehen. Für mehr Investitionen brauchen die Unternehmen vor allem eine verlässliche Wirtschaftspolitik (67 Prozent), Bürokratieabbau (54 Prozent) und konjunkturelle Impulse (54 Prozent).

Die konjunkturelle Lage schlägt sich zunehmend in den Beschäftigungszahlen wieder. Während viele Unternehmen bisher angesichts des Personal- und Fachkräftemangels bestrebt waren, ihre Belegschaften zu halten, sind die Beschäftigtenzahlen aktuell bei 27 Prozent rückläufig. Auch die Personalplanungen fallen zurückhaltend aus. Positive Beschäftigungsimpulse sind nur im Dienstleistungsgewerbe erkennbar. Hier überwiegt die Zahl derer, die Personalzuwächse erwarten, leicht, sodass der Saldo bei fünf Punkten liegt. Besonders im Verkehrsgewerbe, im Einzelhandel und in der Industrie sind weitere Personalrückgänge zu befürchten. Die Salden sind deutlich negativ und korrelieren mit den pessimistischen Geschäftserwartungen. Aber auch im Gastgewerbe, beim Bau und im Großhandel überwiegt die Zahl der Unternehmen, die abnehmende Beschäftigtenzahlen erwarten.

Der Blick auf das Risikoradar der sächsischen Wirtschaft zeigt, dass weiterhin eine Vielzahl von Faktoren die geschäftliche Entwicklung beeinträchtigen. Die meistgenannten Risikofaktoren sind die Arbeitskosten und die Energiepreise mit jeweils 62 Prozent der Nennungen. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden von 56 Prozent der befragten Unternehmen als geschäftliches Risiko genannt.

Die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern, die im April 2024 durchgeführt wurde, basieren auf den Antworten von gut 1.700 Unternehmen mit mehr als 104.100 Beschäftigten aller Wirtschaftsbereiche.

 

 

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