Dienstag, Mai 21, 2024

Ostdeutscher Maschinen- und Anlagenbau: Hohes Auftragspolster kann Sorgen nicht verdrängen

  • Weniger Unternehmen bewerten aktuelle Situation positiv
  • Auch Geschäftserwartungen trüben sich ein
  • Jeder dritte Betrieb setzt dennoch auf neue Mitarbeiter

Leipzig, 8. August 2023. Der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau hat im zweiten Quartal 2023 einen Rückschlag eingesteckt. Zwar blicken die Unternehmen weiterhin auf ein beträchtliches Auftragspolster von sechs Monaten, wichtige Konjunkturindikatoren wie Kapazitätsauslastung und Investitionstätigkeit gaben jedoch deutlich nach. Das spiegelt sich auch in der Bewertung der aktuellen Geschäftslage nieder: 68 Prozent der Firmen stuften ihre Gesamtsituation positiv ein – im ersten Quartal 2023 sagten das noch 78 Prozent der Betriebe. Immer mehr Unternehmen betrachten zudem die kurzfristigen Geschäftschancen skeptisch. Auf die Personalplanungen wirkt sich die abflauende Stimmung dagegen bisher kaum aus. Das ergab eine Umfrage des VDMA Ost unter den 350 Mitgliedern in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

“Die Auftragsbücher sind noch immer gut gefüllt. Das kaschiert aber die tatsächliche Situation. Wir befürchten vielmehr, dass sich Lage und Stimmung spürbar verschlechtern”, sagt Oliver Köhn, Geschäftsführer des VDMA Ost. Demnach arbeiten die Firmen derzeit die angestauten Aufträge ab, die Auftragspolster schmelzen jedoch. “Die Kunden überlegen sehr genau, ob sie in neue Maschinen und Anlagen investieren, Projekte verschieben oder Investitionen sogar komplett zurückstellen”, ergänzt Köhn.

Auftragsschwankungen beeinflussen Kapazitätsauslastung

Im zweiten Quartal 2023 beurteilte etwa die Hälfte der ostdeutschen Maschinenbauer ihre wirtschaftliche Situation als “gut” (53 Prozent). Weitere 15 Prozent bewerteten diese als “sehr gut”. Dagegen stufte fast jede dritte Firma die eigene Lage negativ ein (32 Prozent).

Die vermehrt zurückhaltende und schwankende Auftragslage schlägt sich in der Kapazitätsauslastung nieder. Zur Jahresmitte schöpften die Firmen ihre vorhandenen Kapazitäten zu durchschnittlich 85 Prozent aus – dieser Wert liegt etwa 3 Prozentpunkte unter dem des Vorquartals und erstmals nach rund zwei Jahren unter dem langjährigen gesamtdeutschen Durchschnittswert von zirka 86 Prozent.

Auftragslage und Geschäftserwartungen gehen weit auseinander

Die Aufträge reichen derzeit im Schnitt für rund sechs Produktionsmonate bis Anfang Januar 2024. Innerhalb der Branche gibt es allerdings erhebliche Unterschiede. Das Auftragspolster beträgt zwischen einem Monat und anderthalb Jahren. “Deutlich weniger Firmen als zuletzt können sich zudem über einen Auftragszuwachs im Vergleich zum Vorquartal freuen. Ihr Anteil fiel von 36 Prozent im ersten Quartal 2023 auf 21 Prozent im zweiten Quartal 2023. Dagegen erhöhte sich die Zahl der Betriebe mit einem Auftragsminus von 32 Prozent auf 40 Prozent. Das ist beunruhigend”, erklärt Köhn.

Doch nicht nur die Kundenbranchen investieren zögerlich. Die vielfältigen Geschäftsrisiken beeinflussen auch die Investitionsplanungen der Maschinen- und Anlagenbauer. So kletterte der Anteil der Firmen, die weniger Geld als geplant für neue Maschinen, Technik, Forschung und Entwicklung ausgaben, von 13 Prozent am Jahresende 2022 auf 27 Prozent zur Jahresmitte 2023.

Uneins ist die Branche beim Blick auf die kurzfristigen Geschäftsaussichten. Die Hälfte der Unternehmen erwartet bis Ende September 2023 gleichbleibende Geschäftschancen (51 Prozent) – viele von ihnen blicken derzeit auf eine gute wirtschaftliche Situation. Zusätzlich rechnet etwa jede vierte Firma mit einer besseren Perspektive (23 Prozent) oder mit schlechteren Geschäften (26 Prozent).

Beschäftigungsabsichten bleiben ungebrochen dynamisch

Trotz der Konjunkturabkühlung bleibt der Maschinen- und Anlagenbau eine stabile Branche für Beschäftigte. Bis Dezember 2023 wollen 53 Prozent der Unternehmen die aktuelle Mitarbeiterzahl beibehalten sowie 35 Prozent der Betriebe neue Beschäftigte einstellen. Die Suche nach geeigneten Arbeitskräften bleibt dagegen schwierig. Der Umfrage zufolge hatten 82 Prozent der Firmen Probleme, offene Stellen zu besetzen. “Die Gründe dafür sind vielfältig. Die demografische Entwicklung, konkurrierende Arbeitgeber und Defizite in der Verkehrsinfrastruktur im ländlichen Raum, aber auch die gestiegenen fachlichen Anforderungen spielen eine Rolle”, erklärt Landesverbands-Geschäftsführer Köhn.

 

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