Sonntag, Juni 23, 2024

W+M-Länderreport Thüringen: Energiekrise in der Glasindustrie/Luft nach oben bei erneuerbaren Energien/ Logistik-Boom ohne Subventionen Teil 2/3

Die Energiekrise macht der Thüringischen Glasindustrie, die auf Gas angewiesen ist, schon mächtig zu schaffen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien kommt voran, aber es mangelt an Tempo. Aufgrund der zentralen Lage des Freistaates boomt die Logistikbranche. Teil 2 des Länderreports Thüringen. Von Matthias Salm.

Der Länderreport erscheint als W+M-Serie in drei Teilen:

09.03.2023
Teil 1: Der Freistaat setzt auf Batterie-Power gesamt/ Schwere Zeiten für Automobilzulieferer

18.03.2023
Teil 2: Energiekrise in der Glasindustrie/Luft nach oben bei erneuerbaren Energien/ Logistik-Boom ohne Subventionen

23.03.2023
Teil 3: Optische Industrie mit Weltruf/ IT-Unternehmen auf Kurs/ Medizintechnik made in Thüringen/ Bevölkerung in Thüringen schrumpft

Hier beginnt Teil 2

Energiekrise in der Glasindustrie

Glas. Foto: AdobeStock

In Turbulenzen geriet 2022 auch die Thüringer Glasindustrie mit ihren acht Standorten im Süden des Landes, weil sie ihre Glaswannen zum Schmelzen fast ausschließlich auf Gasbasis betreibt. Die Energiekrise forciert deren Umstellung auf andere Energieträger, denn in der Rennsteig-Region hängen 7.000 Jobs am Wohlergehen der Glasindustrie. Zu den betroffenen Unternehmen zählt beispielsweise HEINZ-GLAS in Piesau bei Neuhaus am Rennweg. Die Firma gehört zu den Weltmarktführern in der Herstellung und Veredelung von Glasflakons und Verschlüssen für die Parfüm- und Kosmetikindustrie und will nun 55 Millionen Euro in zwei stromgeheizte Schmelzwannen investieren. Auch andere Thüringer Glas-Unternehmen müssen Lösungen finden wie die Thüringer Pharmaglas GmbH & Co. KG, die in Neuhaus am Rennweg Ampullen, Gläschen und Röhrchen für die Medizinbranche herstellt oder Wiegand-Glas, die in Großbreitenbach Behälterglas produzieren.

Luft nach oben bei erneuerbaren Energien

Solaranlage Foto: AdobeStock

Die regenerativen Energien für die Transformation der Wirtschaft sollen künftig auch wesentlich aus dem heimischen Land stammen. In Thüringen kommen der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Elektromobilität weiter voran, der Freistaat muss aber das Tempo erhöhen. So lautet das Fazit der Thüringer Landesenergieagentur ThEGA für das Energiewende-Jahr 2022.

Die Zahl der Solaranlagen hat sich im vergangenen Jahr im Freistaat um 7.352 auf rund 46.500 erhöht. Die installierte Leistung ist um 141 Megawatt auf 2.152 Megawatt gestiegen. Besonders die Nachfrage nach Dach- und Balkonanlagen ist ungebrochen hoch. Heikel bleibt die Lage hingegen bei der Windkraft. 23 neue Windenergieanlagen sind 2022 in Thüringen installiert worden, zwei ältere Anlagen wurden im selben Zeitraum abgeschaltet. Die installierte Leistung ist um 102 Megawatt gewachsen. Insgesamt produzieren in Thüringen 865 Windräder mit 1.796 Megawatt Leistung Strom.

Im Gespräch mit W+M klagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, dass der Ausbau der Windenergie technologisch vorbereitet sei, aber emotional auf hohe Hürden stoße. Besonders das Thema Windräder im Wald erhitzt die Gemüter im Freistadt. Lösungen tun aber mehr denn je Not. In Thüringen sind derzeit 0,5 Prozent der Landesfläche für den Ausbau von Windenergie ausgewiesen. Dieser Anteil soll bis 2032 auf 2,2 Prozent erhöht werden.

Logistik-Boom ohne Subventionen

Logistikzentrum von Zalando in Erfurt.

Derweil brummt es auf Thüringens Autobahnen. Aufgrund der zentralen Lage haben sich laut Landesamt für Statistik in Thüringen rund 2.600 Logistik-Unternehmen mit etwa 34.000 Beschäftigten angesiedelt. DHL, DB Schenker, Kühne + Nagel, Dachser, Rhenus, Zalando, Zeitfracht  oder Amazon – alle Großen der Branche verfügen über ein Standbein im Thüringer Land. Zentrale Standorte sind die Erfurter Logistik-Gewerbegebiete, das Güterverkehrszentrum und das Internationale Logistikzentrum. Erfurt gehört damit mittlerweile zu den Top-20-Standorten in der Logistikbranche in Deutschland.

Den Boom der Logistiker flankiert das Land deshalb auch nicht mehr mit finanziellen Anreizen. So ist das Logistikzentrum von Amazon in Gera bereits ohne Investitionszuschüsse ausgekommen. Und der Online-Händler will in Erfurt mit einem zweites Zentrum noch einmal nachlegen. Der Logistik-Dienstleister Zeitfracht investiert ebenfalls in Thüringen und baut ein zweites Logistik-Zentrum nahe Erfurt. Dieses soll bis März 2023 fertiggestellt sein und voraussichtlich bis zu 280 neue Arbeitsplätze schaffen.

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