Dekarbonisierung ist Herausforderung für Thüringens Wirtschaft

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Erfurt. Thüringens Wirtschaftsstaatssekretär Carsten Feller sieht die Umstellung auf CO2-neutrale Energiequellen und Produktionsprozesse als „existentielle Herausforderung“ für die Thüringer Wirtschaft. Es kämen enorme Kosten auf die Betriebe zu.

Laut einer KfW-Studie belaufen sich die klimaschutzbedingten Mehrinvestitionen der deutschen Industrie bis 2045 auf gut 460 Milliarden Euro. Nach Schätzung des Thüringer Wirtschaftsministeriums entfallen davon gut neun Milliarden Euro auf die Thüringer Industrieunternehmen – das entspricht etwa 380 Millionen Euro pro Jahr. Der Staatssekretär forderte den Bund auf, entsprechende Förderprogramme zur Bewältigung dieser Kosten aufzulegen, von denen insbesondere auch der Mittelstand profitieren könne. Auch Thüringen selbst müsse steigende Förderbedarfe in seinen künftigen Haushaltsplanungen berücksichtigen.

„Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss beschleunigt werden, und Thüringen braucht den Anschluss an die großen, bundesweiten Energietrassen“, sagte der Staatssekretär. Das gelte insbesondere für das geplante nationale Wasserstoffnetz, an das Thüringen unbedingt angebunden werden sollte. Aktuell werden etwa 70 Prozent des Energiebedarfs der Thüringer Industrie aus fossilen Quellen gedeckt. Zudem müssten Fragen der Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit von Energie künftig wieder eine größere Rolle spielen: „Energie- und Wirtschaftspolitik müssen stärker zusammen gedacht werden.“

Das gelte auch mit Blick auf die Energieversorgung der Industrie- und Gewerbestandorte in Thüringen, die in Zukunft klimaneutral gestaltet werden sollten. Thüringen bemüht sich daher um ein gemeinsames Pilotprojekt mit dem Bund, im Rahmen dessen der größte Industriestandort in Thüringen – das „Erfurter Kreuz“ – CO2-frei mit Energie versorgt werden solle.

Die Dekarbonisierung bietet für die Wirtschaft in Thüringen aber auch erhebliche Wertschöpfungspotenziale. Diese Pozentiale will das Wirtschaftsministerium im laufenden Jahr in einer Studie untersuchen lassen und daraus entsprechende Handlungsoptionen ableiten. Schon jetzt gibt es eine Vielzahl von Aktivitäten des Landes etwa im Bereich der Batterie- und Wasserstofftechnologien. Thüringen baue seine Kompetenzen in diesen Bereichen von der Produktion bis zur Forschung systematisch aus. Dies reiche etwa von der Ansiedlung des chinesischen Batteriezellenherstellers CATL über den künftigen „Technologiecampus Batteriefertigung“ mit dem Fraunhofer-BITC am Erfurter Kreuz bis hin zum Fraunhofer-Institut für Keramische Systeme und Technologien (IKTS) in Hermsdorf oder dem Zentrum für Energie- und Umweltchemie (CEEC) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zugleich ist das Land unter Führung der Bauhaus-Universität Weimar und Firmen wie der KUMATEC Sondermaschinenbau & Kunststoffverarbeitung GmbH an der von Bund und Land mit 7,7 Millionen Euro geförderten Wasserstoff-Initiative H2-Well beteiligt. Zudem baut das Land im Rahmen seiner Wasserstoffstrategie weitere Forschungs- und Transferkompetenzen am Erfurter Kreuz und im Raum Sonneberg auf.

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