W+M-Serie: Wirtschaftsförderung in Sachsen-Anhalt

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Während der Coronakrise war auch die Wirtschaftsförderung  besonderen Belastungen ausgesetzt. Grund genug für W+M, bei den Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Länder nachzufragen. Im Teil 2 der W+M-Serie antwortet der Geschäftsführer der Investitions- und Marketinggesellschaft des Landes Sachsen-Anhalt Thomas Einsfelder.

W+M: Wie fällt die Bilanz der Wirtschaftsförderung in Sachsen-Anhalt der letzten
Jahre aus? Was waren die größten Ansiedlungserfolge?

Thomas Einsfelder, Geschäftsführer der Investitions- und Marketinggesellschaft des Landes Sachsen-Anhalt. Foto: IMG

Thomas Einsfelder: Wird Wirtschaftsförderung bilanziert, werden zumeist nur Zahlen, die Anzahl der Projekte, Investitionsvolumen und die Anzahl neu geschaffener Arbeitsplätze angeführt. Dieser volkswirtschaftliche Nutzen erfolgreicher Wirtschaftsförderung war und ist auch für uns in Sachsen-Anhalt wichtig. Wir haben in den vergangenen Jahren bei der Neuausrichtung der IMG eine neue Facette hinzugefügt: Die Bestandspflege, d.h. die serviceorientierten Dienstleistungen, die wir für bereits ansässige Unternehmen erbringen, werden ausgeweitet.

Wirtschaftsförderung sollte nicht mehr nur auf Neuansiedlungen fokussiert sein, sondern der Betreuung bereits ansässiger wachsender mittelständischer Betriebe mehr Aufmerksamkeit widmen. Es muss deshalb ein Strategiewechsel stattfinden, bei dem die Services der Wirtschaftsförderung gemeinsam mit den Unternehmen kontinuierlich weiterentwickelt werden. Eine nachhaltige Qualitätssteigerung dieser öffentlichen Dienstleistung erfordert mehr unternehmerisches Denken. Wirtschaftsförderung muss sich daher auf die einzelbetriebliche und kontinuierliche Betreuung von Unternehmen fokussieren – abgestimmt und zusammen mit unseren Netzwerkpartnern im Land wie u.a. den regionalen Wirtschaftsförderungen auf Basis von Kooperationsvereinbarungen. Für eine nachhaltige Qualitätssteigerung der Wirtschaftsförderung als öffentliche Dienstleistung ist die systematische, partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Landes- und kommunaler Ebene, gerade in einem Flächenland wie Sachsen-Anhalt, der Schlüssel zum Erfolg. Das kostes viel Kraft, gerade auch in Pandemiezeiten, aber die zielgerichtete Entwicklung von Akquisitionsstrategien gemeinsam mit den Bestandsunternehmen erweist sich als Erfolgsrezept. Deshalb sind wir als IMG durchaus stolz darauf, dass mit den von uns in den Jahren 2014 bis 2020 aktiv begleiteten rund 220 Ansiedlungs- und Expansionsprojekten, die inzwischen ihre Inbetriebnahmen feiern konnten, rund 4 Mrd. EUR Investitionsvolumen verbunden sind, mit denen über 7.000 Dauerarbeitsplätze neu geschaffen und über 10.000 erhalten wurden.

Dass Sachsen-Anhalt sich schrittweise zu einem Standort innovativer Zukunftstechnologien entwickelt, belegen sowohl aktuelle Ansiedlungsentscheidungen als auch Projekte aus der jüngsten Vergangenheit:

# Der börsennotierte Schweizer Maschinenbauer Meyer Burger Technology AG eröffnete im Mai in Thalheim im Landkreis Bitterfeld-Wolfen sein neues Solarzellen-Werk. Für den Aufbau des neuen Standorts hatte das Unternehmen den Großteil der Mittel eingesetzt, die im Rahmen einer Kapitalerhöhung über 165 Millionen Schweizer Franken (rund 150 Mio. Euro) aufgebracht wurden.

# Im April 2021 haben die AMG Lithium GmbH und die Chemiepark Bitterfeld-Wolfen GmbH einen Kaufvertrag über ein Grundstück auf dem Gelände des Chemieparks Bitterfeld-Wolfen abgeschlossen. Auf diesem Grundstück wird AMG Lithium eine Produktionsanlage für Lithiumhydroxid in Batteriequalität errichten. Ziel ist es, die europäische Batterieindustrie mit diesem Schlüsselrohstoff verlässlich und mit kurzen Lieferwegen zu versorgen.

# Der US-Landmaschinenspezialist AGCO erweitert für 18 Millionen Euro seinen Standort in Hohenmölsen im Burgenlandkreis um eine weitere Betriebsstätte. Bis Frühjahr 2022 sollen ein Logistikzentrum sowie eine Lackieranlage entstehen. 26 zusätzliche Arbeitsplätze will das Unternehmen nach eigenen Angaben schaffen.

# Der Lebensmittelgroßhändler CHEFS CULINAR erweitert seinen Standort im Lützener Ortsteil Zorbau (Burgenlandkreis): Voraussichtlich bis Oktober 2022 soll im dortigen Gewerbegebiet eine zusätzliche Betriebsstätte mit Tiefkühllager und Bürobereich entstehen. Die Investition in Höhe von rund 21,4 Millionen Euro wird 40 neue Arbeitsplätze schaffen.

# HelloFresh, der weltweit führende Anbieter für Kochboxen investiert ebenfalls in Sachsen-Anhalt. Mitte Mai erfolgte der Spatenstich für eine neue Produktionsstätte in Barleben bei Magdeburg. Der Betrieb startet voraussichtlich im vierten Quartal 2022. An dem in der Nähe des Autobahnkreuzes Magdeburg verkehrstechnisch günstig gelegenen Standort wird HelloFresh perspektivisch ca 1.500 sichere und attraktive Arbeitsplätze für die Region schaffen. Mit über 35.000 m² Produktions-, Lager- und Bürofläche wird in Barleben die größte Produktionsstätte im Internationalen Segment (alle Märkte außer den USA) der HelloFresh Gruppe errichtet.

# Die Blankenburger Mikrovista GmbH, ein Dienstleistungsspezialist für industrielle Computerthomographie, investiert insgesamt gut zwei Millionen Euro und stärkt so die zerstörungsfreie Prüfung von Bauteilen für die Automobil-, Gießerei- sowie Luft- und Raumfahrtindustrie.

# Die WIPAG GmbH, ein Spezialist für die Herstellung von Compounds durch Kunststoffaufbereitung sowie für die Umsetzung individueller Kreislaufwirtschaftskonzepte in der industriellen Abfallentsorgung, hat in Gardelegen ein Technikum zur individuellen Kunststoffaufbereitung in Betrieb genommen. Mit dieser Investition baut der Recycling-Spezialist die technischen Kapazitäten zur Entwicklung und Testung von Produkten und Prozessen im Kundenauftrag weiter aus.

# Ende Juli fand der erste Spatenstich für neue Betriebsstätte des Aschersleber Polymer-Spezialisten NOVO-TECH statt. Im Industriegebiet „Zornitzer Weg“ wird die NOVO-TECH Circular GmbH & Co. KG künftig die Flügel alter Windkraftanlagen aufbereiten, um aus ihnen neue Kunststoffe zu gewinnen und anschließend in der Unternehmensgruppe weiterzuverarbeiten. Bislang werden die aus faserverstärkten Kunststoffen und weiteren Füllstoffen hergestellten Rotorblätter mechanisch zerkleinert und vor allem als Brennstoff verwendet.

# Die Progroup AG nahm im August 2020 eine der modernsten Papierfabriken der Welt für rund 500 Millionen Euro in Sandersdorf-Brehna in Betrieb – nach nur 18 Monaten Bauzeit – 140 neue Arbeitsplätze sind entstanden.

# Der finnische Konzern UPM errichtet eine Bioraffinerie für rund 550 Millionen Euro in Leuna. Rund 220 neue Jobs entstehen. Am Chemiestandort Leuna werden auch 60 Millionen Euro in eine Anlage der Linde AG investiert. Diese soll ab Sommer 2022 schrittweise in Betrieb gehen und 3.200 Tonnen Wasserstoff mit zertifiziertem Ökostrom pro Jahr herstellen.

# Porsche hat mit der Schuler AG für rund 100 Millionen Euro ein modernes Presswerk in Halle (Saale) errichtet. Rund 135 Mitarbeiter sollen bis 2022 in dem neuen Werk im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten. Etwa 100 Millionen Euro werden investiert.

# Der südkoreanische Konzern Hanwha Q Cells gab 2020 bekannt, 125 Millionen Euro in sein Solar-Forschungszentrum in Thalheim zu investieren. Im Mai 2021 legte das Unternehmen nach und kündigte weitere Investitionen von 15,5 Millionen Euro an.

# Der japanische Batterie- und Brennstoffzellen-Spezialist Horiba FuelCon erweitert für 30 Millionen Euro sein Testzentrum in Barleben und will damit auch den geplanten „E-Mobility-Campus“ entscheidend vorantreiben.

# In Sandersdorf-Brehna wurde im September 2020 das weltweit größte Entwicklungs- und Testzentrum für Hochvoltbatterien für Pkw und Nutzfahrzeuge (eDLP) in Betrieb genommen. FEV, der international führende, unabhängige Dienstleister in der Fahrzeug- und Antriebsentwicklung, setzt damit einen erneuten Meilenstein. Das Unternehmen verknüpft gleichzeitig seine Erfolgsgeschichte weiter mit dem Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt, die 2007 mit der Grundsteinlegung eines Dauerlaufprüfzentrums für konventionelle, elektrische und hybride Antriebe ihren Anfang genommen hatte.

W+M: Wie haben fast zwei Jahre Pandemie ihre Arbeit beeinflusst?

Thomas Einsfelder: Die Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsförderungen auf kommunaler und Landkreisebene hat eine neue Qualität erreicht und die Vernetzung mit der IMG in noch stärkerem Maße vorangetrieben. Wir sind näher zusammengerückt!  Der IMG-Investorenservice verstand und versteht sich auch in der Pandemie-Zeit als aktiver Vernetzer und Lotse im Land Sachsen-Anhalt – sowohl für bereits ansässige Unternehmen als auch für Neuansiedlungen. Mit der Netzwerkveranstaltung „Tagung der Wirtschaftsförderer“ hat die IMG in den letzten zwei Jahren neue Maßstäbe – sowohl in der digitalen Variante als auch bei Präsenzveranstaltungen – gesetzt und ein festes Netzwerk von mittlerweile über 70 Wirtschaftsförderern/innen aus dem gesamten Bundesland etablieren können. Nicht zuletzt hat die IMG In der Hochphase der Pandemie im Frühjahr 2020 in wöchentlichen Telefon- und Videoschaltkonferenzen über die Unterstützungsangebote für Unternehmen, Überbrückungs- und Corona-Sofort-Hilfen zusammen mit Partnern wie dem Wirtschaftsministerium und der Investitionsbank informiert, um die für die Unternehmen relevanten Förderprogramme in die Breite zu tragen. Als ebenfalls für das Tourismusmarketing zuständige Gesellschaft, war und ist unsere Arbeit stark geprägt von den Auswirkungen der Pandemie auf die Tourismusbranche, allen voran Hotellerie und Gastronomie sowie die Event-Branche. Mit der Kampagne „Echt schön. Sachsen-Anhalt“ geben wir eine zeitgemäße Antwort darauf und unterstützen die Branche in diesen herausfordernden Zeiten mit einer aufmerksamkeitsstarken Kommunikationskampagne.

W+M: Welche Schwerpunkte setzt sich die Wirtschaftsförderung in Sachsen-Anhalt in Ihrer gegenwärtigen und künftigen Arbeit?

Thomas Einsfelder: Wir wollen dafür sorgen, dass sich unternehmerisches Denken in der Wirtschaftsförderung als Schlüssel zum Erfolg durchsetzt! Unser Fokus liegt in der systematischen, partnerschaftlichen Betreuung von Unternehmen, die Ansiedlungs- oder Expansionsvorhaben in Sachsen-Anhalt planen. Hier lassen sich v.a. die Bereiche Batterietechnologie/Neue Mobilität, Bioökonomie, Neue Energien, Logistik, Ernährungswirtschaft und Life Sciences (Biotech/Pharma und Medizintechnik) als stark nachgefragte Themenfelder identifizieren.  Gemeinsam mit Netzwerkpartnern betreut die IMG die Unternehmen in den Bereichen Immobilien-/Standortsuche, Förderung/Finanzierung, Behörden- und Genehmigungsmanagement sowie in Fragen der Personalrekrutierung – eine Thematik, die für Standortentscheidungen immer wichtiger wird.  Ein weiterer Schwerpunkt in den nächsten Jahren wird in der Etablierung und konsequente Weiterentwicklung des 2020 neu eingeführten Key Account-Managements in der Begleitung von bereits ansässigen Betrieben in Sachsen-Anhalt liegen. Gemeinsam mit den strategisch wichtigen Netzwerkpartnern wie u.a. der Investitionsbank, den Kammern, Arbeitsagenturen und der Landgesellschaft sollen Firmen in einem System der abgestimmten Unternehmensbetreuung bei ihren Vorhaben bestmöglich unterstützt werden. Neben dem klaren Signal einer serviceorientierten Wirtschaftsförderung erhofft sich die MG dadurch wertvolle Impulse für das Ansiedlungsgeschäft durch den kontinuierlichen Austausch mit Unternehmerinnen und Unternehmern, die sich mit ihren Investitionen bereits für den Standort entschieden haben. Dies wird auch durch den neu geschaffenen Fachbeirat der IMG dokumentiert, in dem Unternehmerpersönlichkeiten die Geschäftsleitung bei der strategischen Ausrichtung der Gesellschaft beraten – wir setzen bei der Formulierung neuer Service-Angebote der Wirtschaftsförderung auf einen partizipatorischen Ansatz und unternehmerisches Denken. Kurzum: Die IMG entwickelt ihr Dienstleistungsportfolio gemeinsam mit den Unternehmen! Ganz oben auf unserer Tagesordnung steht auch unser Beitrag für die erfolgreiche Bewältigung des Strukturwandels im Mitteldeutschen Revier. Im Rahmen eines geplanten STARK-Förderantrages soll die IMG dazu weiter personell verstärkt werden, um die Kohleregion auch im internationalen Kontext zu vermarkten und die Investorenanwerbung im südlichen Sachsen-Anhalt gezielt voranzutreiben.

W+M: Wie steht es um die Zusammenarbeit mit anderen ostdeutschen Ländern und deren Wirtschaftsförderungen, etwa in der Frage der des Strukturwandels in den Braunkohlegebieten oder in der Entwicklung des ländlichen Raums (mit Brandenburg)?

Thomas Einsfelder: Zusammenarbeit in Einzelprojekten wie die gemeinsamen mitteldeutschen Präsentationen auf der Kunststoffmesse K oder der EXPO Real gibt es bereits seit Längerem. Wir sind ein absoluter Verfechter eines „Mehr an länderübergreifender Zusammenarbeit“ – besonders im Hinblick auf die Implementierung eines neue Innovationsprofils für Ostdeutschland. Damit einher gehen müssen unbedingt auch vom Bund unterstützte Werbemaßnahmen für ein neues ostdeutsches Image sowohl für Ostdeutschland als Reisedestination als auch als Region zum Leben und Arbeiten. Bei der länderübergreifenden Kooperation setzt die IMG beispielsweise auf die im Frühjahr 2021 abgeschlossene Vereinbarung mit der WFBB Wirtschaftsförderung Land Brandenburg, die sich zum Ziel setzt, Kreativorte im Grünen (wie bspw. Co-Working Spaces) dies- und jenseits der Elbe durch gemeinsame gezielte Maßnahmen im Standortmarketing eine größere Sichtbarkeit zu verschaffen. Auch im Hinblick auf die internationale Vermarktung des Mitteldeutsches Reviers hoffe ich auf länderübergreifende Ansätze, zum Beispiel mit Fokus auf die Region rund um den Airport Leipzig/Halle als zweitgrößtem Frachtflughafen in Deutschland.

W+M: Welche Rolle spielt die Ansiedlung von Bundesinstitutionen und Bundesforschungseinrichtungen für Sachsen-Anhalt?

Thomas Einsfelder: Die Ansiedlungen von Bundesinstitutionen, insbesondere Forschungseinrichtungen, wird als wichtiges Signal verstanden. Sachsen-Anhalt zeichnet sich schon jetzt durch eine hohe Dichte an Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen aus: Mit sieben Hochschulen, der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina , fünf Leibniz-,  drei Max-Planck- sowie sechs Fraunhofer-Instituten und zwei Helmholz-Zentren  beweist der Standort seine wissenschaftliche Exzellenz, die gleichsam eine gute Grundlage für technologieorientierte Unternehmensgründungen bildet. Zusätzlich  fungiert das bundesweit einmalige Kompetenznetzwerk für Angewandte und Transferorientierte Forschung (KAT) als Schnittstelle und fördert den Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und Forschung. Diese Entwicklung sollte in den kommenden Jahren unbedingt weiter befördert werden – wie zuletzt durch die Ansiedlung der  Agentur für Innovationen in der Cybersicherheit,  den neuen Standort des Deut­schen Zen­trums für Luft- und Raum­fahrt (DLR) in Cochstedt, an dem der Aufbau des Nationalen Erprobungszentrums für unbemannte Luftfahrtsysteme (AUS) erfolgt oder  das neue gemeinsame Zentrum für Psychische Gesundheit für Deutschland an den Standorten Magdeburg, Halle und Jena, die im Auswahlverfahren durch ihre herausragende Forschung von internationaler Strahlkraft überzeugen konnten.

W+M: Was sind die größten Probleme der Wirtschaftsförderer bei der Investorenwerbung gegenwärtig?

Thomas Einsfelder: Noch ist zumindest bei uns in Sachsen-Anhalt das Flächenangebot auch für großflächige Ansiedlungen vorhanden. Die mittel- und langfristige strategische Sicherung von Industrie- und Gewerbeflächen stellt sich jedoch als Herausforderung dar: Bei Ansiedlungsanfragen geht es häufig darum, schnell mit einer heterogenen Eigentümerstruktur ins Gespräch zu kommen, um den Unternehmen Flächen von mehr als 50ha zusammenhängend anbieten zu können. Hierzu ist die IMG aktuell in einem strategischen Dialog mit dem Wirtschaftsministerium, weiteren Institutionen und auch zahlreichen privaten Anbietern. Daneben wird unternehmensseitig der Fachkräftebedarf, konkret die Personalgewinnung und -entwicklung als wichtiges Thema gespiegelt. Die IMG hat darauf insofern eine Antwort formuliert, als dass wir im Frühjahr 2021 unser Serviceportfolio um einen Fachkräfte- und Talentservice erweitert haben, der von den Unternehmen sehr gut angenommen wird und u.a. bei der Vernetzung mit Hochschulen, Arbeitsagenturen und Weiterbildungsinstitutionen sowie im Talent Marketing unterstützt.

W+M: In welchen Regionen/Ländern (national/international) werden (z.B. auf Messen) Investoren besonders angesprochen?

Thomas Einsfelder: Die USA mit Schwerpunkten in New York, Philadelphia, Boston und Wisconsin und China mit Schwerpunkt Shenzhen werden als wichtigste Ziel- und Quellmärkte bearbeitet. Die IMG folgt bei der Investorenansprache einem branchenbezogenen Ansatz. Beispielsweise sind die skandinavischen Länder im Hinblick auf die Bioökonomie im Fokus der internationalen Marktbearbeitung. Für die Tourismuswirtschaft spielen die Benelux-Staaten eine bedeutsame Rolle und im Life Sciences-Segment stehen die USA sowie innereuropäisch die Schweiz im Mittelpunkt unserer Aktivitätenplanung.

W+M: Wie haben sich aus Ihrer Sicht Messen als Präsentationsorte für Wirtschaftsregionen verändert?

Thomas Einsfelder: Die Auswirkungen der Pandemie mit Blick auf den Messemarkt bleibt abzuwarten. Nach unserer Einschätzung wird es zukünftig einen Mix aus Vor-Ort-Terminen, z.B. bei (Konferenzen und Messen) sowie Digitalformaten geben. Gerade bei bereits etablierten Kontakten werden wir künftig statt längerer Kontinental-Reisen – auch vor dem Hintergrund unserer Nachhaltigkeitsbemühungen – Digitalformate wählen. Für die Kontaktanbahnung und Erstansprache von potenziellen Investoren dürfte hingegen das persönliche Treffen unabdingbar bleiben. Letzten Endes ist Wirtschaftsförderung immer „People Business“ und kein digitales Meeting kann den unmittelbaren persönlichen Austausch ersetzen.

W+M: Großansiedlungen machen auch Infrastrukturmaßnahmen notwendig, etwa ÖPNV, Straßenbau, Wohnungsbau. Inwiefern können die Wirtschaftsförderer auf die Koordination dieser Themen Einfluss nehmen?

Thomas Einsfelder: Die Wirtschaftsförderung auf Landesebene kann dahingehend Einfluss nehmen, als dass sie frühzeitig die Bedarfe aus ihren Gesprächen von ansiedlungswilligen Unternehmen erkennt und auch gegenüber den entsprechenden Institutionen im Land bzw. auf der kommunalen Ebene benennt. Die IMG ist deshalb dazu übergegangen, neben ihrer Kernkompetenz – dem Projektmanagement bei Ansiedlungs- und Erweiterungsprojekten – auch den Kommunen in Sachsen-Anhalt als „Sparringspartner“ bei der frühzeitigen Gewerbeflächensicherung und -entwicklung zur Verfügung zu stehen, die wiederum infrastrukturelle Maßnahmenplanung nach sich zieht.

 

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