IWH: Wirtschaft im Osten Deutschlands weniger geschrumpft als im Westen

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Halle (Saale), den 15. April 2021. Die Zunahme des Bruttoinlandsprodukts dürfte im Jahr 2021 in Ostdeutschland mit 3% geringer ausfallen als in Deutschland insgesamt (3,7%), denn der Einbruch aufgrund der Pandemie war im Jahr 2020 geringer. Im Zuge der wirtschaftlichen Erholung in der zweiten Jahreshälfte dürfte auch die Arbeitslosenquote leicht sinken.
Die Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose konstatiert in ihrem Frühjahrsgutachten, dass das anhaltende Pandemiegeschehen den Aufschwung in Deutschland bis in den Sommer hinein verzögern wird. Das gilt auch für Ostdeutschland, zumal zurzeit (Mitte April) Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt die Länder mit den bundesweit höchsten Inzidenzen sind. Bis zum vergangenen Herbst war die Pandemie in Ostdeutschland wenig verbreitet. Das ist ein Grund dafür, dass die Produktion im Jahr 2020 hier mit 3,8% gut einen Prozentpunkt weniger eingebrochen ist als in Deutschland insgesamt (–4,9%). Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sagt, zu dieser Entwicklung haben aber auch Besonderheiten der Wirtschaftsstruktur beigetragen: In Ostdeutschland haben mit dem Bausektor und vor allem mit dem Sektor „öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ zwei Wirtschaftszweige, die sogar noch expandiert haben, ein größeres Gewicht als im Bundesdurchschnitt.
Werden die Veränderungsraten der Hauptwirtschaftszweige im Jahr 2020 für Deutschland mit den für Ostdeutschland geltenden Anteilen an der Gesamtproduktion gewichtet, ergibt sich deshalb ein Rückgang der gesamten Bruttowertschöpfung, der um etwa einen halben Prozentpunkt unterhalb des tat-sächlichen Rückgangs liegt. Auch spielt die stark getroffene Automobilindustrie im Osten eine geringere Rolle als in Westdeutschland. Zudem dürfte eine günstigere Einkommensentwicklung gestützt haben. Während die Bruttolöhne und -gehälter im Westen Deutschlands um 1,1% gefallen sind, haben sie im Osten um 1% zugelegt. Ein Grund dafür ist, dass das Arbeitsvolumen weniger zurückgefahren werden musste, doch die ostdeutschen Löhne haben auch im Trend der vergangenen Jahre gegenüber denen im Westen aufgeholt. Zudem fällt die Rentenanpassung bis zur Angleichung des Ost-Rentenwerts an den des Westens jedes Jahr um 0,7 Prozent-punkte höher aus als im Westen.

Auch aufgrund des geringeren Einbruchs dürfte die Wirtschaft Ostdeutschlands in diesem Jahr, wenn die Belastungen durch die Pandemie nach und nach aufgehoben werden, nicht so stark expandieren wie die in Westdeutschland. Zudem liegt der Schwerpunkt des Verarbeitenden Gewerbes, das zurzeit von der weltweit starken Nachfrage nach Industriegütern profitiert, in den Alten Bundesländern. Der Zuwachs in Ostdeutschland dürfte im Jahr 2021 mit 3% geringer ausfallen als in Deutschland insgesamt (3,7%). Für das Jahr 2022 wird ebenfalls ein Zuwachs von 3% prognostiziert. Die ostdeutsche Arbeitslosenquote nach der Definition der Bundesagentur für Arbeit fällt von 7,3% im Jahr 2020 auf 7,1% im Jahr 2021, im Jahr 2022 dürfte sie 6,5% betragen.

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