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Dr. Dietmar Woidke: „Veränderungen sind für uns nichts Neues“

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Die Coronapandemie hat auch die neuen Bundesländer und Berlin nicht verschont. In jedem dieser Länder wurden und werden große Anstrengungen unternommen, Wege aus der Krise zu finden. Landespolitik und Unternehmen arbeiten dabei eng zusammen. WIRTSCHAFT+MARKT bat die Ministerpräsidenten der fünf neuen Länder um Erläuterungen, wie sie ihre Länder aus dem Tal der Krise und in eine hoffnungsfrohe Zukunft führen wollen. Lesen Sie den Beitrag von Dr. Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg.

Vor einigen Wochen habe ich in Strausberg im Osten Brandenburgs einen Hersteller für Mikroelektronik besucht. Ich habe mich durch die Produktion führen lassen, habe mit der Geschäftsführung und vielen Beschäftigten gesprochen und natürlich gefragt, wie das Unternehmen bisher durch die Coronakrise gekommen ist. Die Antwort war ganz einfach: „Gut.“ Nach einem anfänglichen Einbruch der Umsatzzahlen hat das Unternehmen daraufgesetzt, die Produktion schnell auf Desinfektionsmittel zum Selbstkostenpreis umzustellen.

Das hat funktioniert und wurde von den Kundinnen und Kunden begeistert aufgenommen. Der Umsatz stabilisierte sich, das Unternehmen brauchte keine öffentlichen Hilfen und – nicht ohne Stolz – wurde mir berichtet, dass mittlerweile sogar ein neuer Mitarbeiter eingestellt wurde.

Natürlich ist das nur ein Beispiel. Nicht jede Firma kann so schnell und flexibel reagieren, manche Wege sind steiniger. Aber dennoch: Solche modernen, innovativen Firmen gibt es viele bei uns. Und der Besuch hat mir gezeigt, dass wir auch deshalb bisher gut durch die Krise gekommen sind, weil wir schnell handeln. Weil wir flexibel sind. Vielleicht auch, weil Veränderungen für uns nichts Neues sind.

Unsere Wirtschaftsstruktur mit vielen kleinen und mittleren Unternehmen kommt uns dabei zu Gute. Und wir ziehen besonders aus den letzten 30 Jahren die Kraft, dass wir bisher noch jede Krise gemeistert haben. Das gilt auch für die Pandemie – die nicht zu Ende ist, sondern die uns weiter begleiten wird. Wir haben früh deutlich gemacht, dass wir um jeden Arbeitsplatz kämpfen werden. Mit beispiellosen Unterstützungsmaßnahmen für unsere Wirtschaft und die Menschen.

Ohnehin stecken wir in einem Transformationsprozess, der mit der Pandemie gar nichts zu tun hat. Im Sommer hat der Bundestag das Kohleausstiegs- und das Strukturstärkungsgesetz beschlossen. Für uns bedeutet das, dass wir die Lausitz als leistungsstarke und lebenswerte Region, als Modellregion für Klimaschutz und Wirtschaftswachstum gestalten wollen. Die Gesetzgebung des Bundes setzt dafür den wichtigen Rahmen.

Neben diesen beiden Punkten – unserer Wirtschaftsstruktur, die Innovationen fördert, und dem Wandel, den wir ohnehin gemeinsam bewältigen – gibt es noch einen Faktor, der uns hilft: Unternehmen, die erkennen, dass es bei uns die Bedingungen gibt, unter denen man ganz hervorragend etwas Neues aufbauen kann. Der Autohersteller Tesla baut bei uns die erste europäische Gigafactory. Und die BASF baut in Schwarzheide eine hochmoderne Batteriematerialproduktion auf. Diese Schlüsselinvestitionen ziehen viele andere nach sich und sorgen für sichere Arbeitsplätze für die Zukunft.

Im 30. Jahr der deutschen Einheit gibt es also nicht nur einen Grund, warum Brandenburg auch aus der Coronakrise gestärkt hervorgehen kann – es gibt viele. Trotz der weiterhin aktuellen Gefahr durch die Pandemie können wir mit Optimismus in die Zukunft sehen. Das haben wir in diesem Jahr auch bei der EinheitsEXPO im September und den Feiern zum 30. Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in Potsdam gezeigt. Und wir haben uns gefreut, dass wir viele Gäste bei uns begrüßen konnten – unter anderen Bedingungen als geplant, aber mit nicht geringerer Freude über diesen Jahrestag!

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