EWE-Chef Stefan Dohler: Nachhaltigkeit hat weiter an Bedeutung gewonnen

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Im W+M-Interview mit Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender EWE AG, sprachen wir über die Krise, die wachsende Bedeutung der Themen  Nachhaltigkeit, Energiewende und Arbeiten im Homeoffice.

W+M: Wie kommt EWE mit der Corona-Pandemie klar? Gibt es erste Erkenntnisse darüber, was EWE aus den letzten Monaten lernt?

Stefan Dohler: Wir sind bisher tatsächlich gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Sicher auch, weil wir bereits sehr früh begonnen haben, unsere Kunden und unsere Mitarbeiter zu schützen und unseren Betrieb sicher aufrecht zu erhalten. Das hat sehr gut funktioniert. Wir hatten zeitweise 5.000 Mitarbeiter im Homeoffice. Jetzt geht es darum, wie wir wieder in eine Normalität kommen, die ganz sicher anders als vor der Pandemie ist. Das hängt auch sehr stark davon ab, wie unser Umfeld aus der Krise kommt. Wir haben daher eine Arbeitsgruppe gebildet, die das Thema „Neue Normalität“ entwickeln soll.

W+M: Haben Sie den Eindruck, dass die Corona-Krise das Thema Versorgungssicherheit beflügelt hat?

EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler und Dr. Ulrich Müller, Foto Oliver Brückmann

Stefan Dohler: Das Thema Versorgungssicherheit vielleicht nicht speziell, aber das Thema Nachhaltigkeit hat schon an Bedeutung gewonnen. Viele fragen sich, wie nachhaltig ist mein Leben, wo kommt mein Essen her, woher meine Energie. Da gibt es schon einen Trend, der für uns als Versorger wichtig ist, weil wir eben auch nachhaltige Lösungen liefern wollen.

W+M: Ist in der Zeit das Thema Energie in den Hintergrund getreten?

Stefan Dohler: Ich nehme das nicht so wahr. Wir haben gesehen, was Krisen auslösen können und ich habe auch wahrgenommen, dass bei allem Handeln der Regierung das Thema Klimaschutz nicht verloren gegangen ist. Daraus folgt, die Krise mehr als Chance anzusehen.

W+M: Die Regierung hat in Corona-Zeiten vieles auf den Weg gebracht. Welche Fragen warten denn aus ihrer Sicht noch Antworten?

Stefan Dohler: Die Frage ist, ob es jetzt noch einen neuen Impuls für den Ausbau der Erneuerbaren Energie geben wird, denn schon vor der Pandemie war der Prozess in Stocken geraten. So erwarten wir vor der Sommerpause noch Beschlüsse zu den Abstandsregeln und zur Verfahrensbeschleunigung. Das ist positiv, allerdings haben wir von diesen Versprechungen schon viel und oftmals gehört. Nun hoffe ich, dass wir tatsächlich einige Schritte vorankommen.
Das zweite Thema ist „Wasserstoff“. Ich begrüße es sehr, dass jetzt die Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet wurde. Sie besteht aus einem Paket mit vielen begrüßenswerten Maßnahmen. Jetzt geht es darum, die Umsetzung tatsächlich anzugehen.
Ein weiterer Impuls ist der Green Deal auf EU-Ebene in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Wichtig ist, jetzt diese Ziele im Rahmen der Krisenbewältigung auszuprägen.

W+M: Viele Infrastrukturprojekte benötigen einen großen Zeitaufwand, weil generell der Widerstand dagegen wächst. Erhoffen Sie sich durch die Pandemie dort jetzt Fortschritte?

Stefan Dohler: Gute Frage. Ich wünschte ja. Wenn ich nachhaltigeres Leben haben will, muss ich mich auch fragen, wo denn die saubere Energie herkommen soll. Und dann hilft es nicht, sich gegen Veränderungen in der persönlichen Nähe auszusprechen. Vielleicht können wir da auch entsprechende Angebote entwickeln, um Impulse für eine positivere Sicht anzustoßen. Das wäre meine Hoffnung. Der Impuls für nachhaltigeres Leben sollte uns auch hier nach vorn bringen.

W+M: Letzte Frage: Sie haben beschrieben, dass die EWE-Belegschaft jetzt zwar sukzessive aus dem Homeoffice wieder ins Unternehmen kommen kann, dies aber nur schrittweise erfolgt. Sie selbst können sich vorstellen, dass künftig vielleicht nur noch 60 Prozent der Arbeitsplätze im Unternehmen besetzt sein müssen. Sind eigentlich alle gesetzlichen Regelungen für die Arbeit im Homeoffice getroffen oder müssen Sie nach der Corona-Zeit noch nachbessern?

Stefan Dohler: Rechtlich und datenschutztechnisch haben wir alles überprüft, wir haben sichere Systeme und Zugänge. Die Datenschutzbeauftragten waren immer einbezogen. Wir haben keine zweifelhaften Lösungen zur Anwendung gebracht. Nun müssen wir, gemeinsam mit den Sozialpartnern absichern, dass unsere Mitarbeiter auch im Homeoffice stabile Arbeitszeiten haben, auch wenn es sich zu Hause viel flexibler arbeiten lässt. Die neue Flexibilität darf nicht dazu führen, dass wir in die Privatsphäre der Mitarbeiter eingreifen. Aber dafür finden wir sicher auch einen guten Weg.

Das Gespräch führte Frank Nehring.

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