Wirtschaft und Markt

Reallabor: U-Space Berlin – Lieferdrohnen über Berlin

Drohne Reallabor U-Space Berlin Copyright Matthias Salm

Berlin. Das Projekt U-Space Berlin will eine effiziente Last-Mile-Logistiklösung mit Hilfe von Drohnen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg erproben. Dazu zählen der Transport von medizinischen Materialien sowie das Ausliefern von Waren in ein dezentral gelegenes Gewerbegebiet. 

Von Matthias Salm

Das Ziel des Reallabors ist es, skalierbare und datenbasierte Geschäftsmodelle im urbanen Raum für die Integration von Drohnen in Logistik- und Transportkonzepte zu entwickeln. Dabei stehen auch die Bürgerbeteiligung bei der Auswahl von Flugrouten, die Erarbeitung regulatorischer Best-Practise-Beispiele sowie arbeitswissenschaftliche Fragestellungen im Fokus. Zudem soll ein typenoffener Landeplatz entwickelt werden, der ähnlich wie eine Packstation funktioniert. Drei Projekte umfasst das Reallabor: Der Transport von Laborproben, der Transport von Lebensmitteln und die Schaffung einer neutralen Infrastruktur für die Drohnenwirtschaft.

Während sich die Drohnentechnik unaufhörlich weiterentwickelt, bleiben regulatorisch viele offene Fragen. In Berlin sind viele Gebiete für Drohnenflüge gesperrt, etwa rund um das Regierungsviertel. Die Schaffung von Rechtssicherheit wird einer der Hauptaufgaben des Reallabors sein. 

„Neben unserer wissenschaftlichen Beteiligung freut mich besonders, dass bei diesem Projekt auch zwei Unternehmen dabei sind, die enge Verbindungen zur TU Berlin haben. Die drei Gründer von Labfly haben bei mir ihre Abschlüsse gemacht und bereits im Studium in einer Projektwerkstatt zueinander gefunden. Auch die Gründer der marktschwalbe GmbH sind Alumni unserer Universität“, erklärt Prof. Dr. Andreas Bardenhagen, Leiter des Fachgebiets „Luftfahrzeugbau und Leichtbau“ an der TU Berlin. 

Das Berliner Jungunternehmen Labfly ist der erste Drohnenbetreiber in Deutschland, der die Genehmigung des Luftfahrtbundesamtes für den Transport gefährlicher Güter, speziell zum Beispiel ungetestete Laborproben, über besiedeltem Gebiet außerhalb der Sichtweite des Operators der Drohne erhalten hat. Für Labfly steht am Anfang die Lieferung von medizinischen Versorgungsgütern zwischen Krankenhäusern und auf lange Sicht die Medikamentenlieferung von der Apotheke zum Patienten.

Trotz erster praktischer Erfahrungen in Baden-Württemberg bleibt der Transport so genannter „dangerous goods“ für das Unternehmen in Städten eine Herausforderung. So ist beispielsweise der Transport über Menschenansammlungen nicht erlaubt. Der Operator der Drohne muss die gleichen Anforderungen erfüllen wie der Pilot einer Frachtmaschine mit gefährlichen Gütern, weiß Geschäftsführer Tim Fischer. Er hofft durch das Reallabor auf die Unterstützung des Senats bei der Lösung regulatorische Fragen.  

Das zweite Start-up Marktschwalbe GmbH hat in einem Pilotprojekt bereit den Einsatz von Drohnen im ländlichen Raum im brandenburgischen Wusterhausen/Dosse getestet. Konkret ging es um die Versorgung älterer Menschen mit Lebensmitteln. Damit können Lücken in der Nahversorgung geschlossen und die Absatzmärkte des örtlichen Einzelhandels erweitert werden, so der Produktstratege des Unternehmens, Tobias Biehle. Das Reallabor soll bei der Weiterentwicklung der Technologie und der Geschäftsmodelle helfen. „Wir freuen uns über die Chancen, die uns diesbezüglich durch das Reallabor eröffnen.“ Im Rahmen des Reallabors werden sie Unternehmen und Behörden im Industrie- und Gewerbegebiet Alte Messwerke mit frischem Mittagessen aus dem Ullsteinhaus beliefern.

Projektpartner des Reallabors sind die Startup Colors UG/Applied Data Incubator (Verbundkoordination), die Technische Universität Berlin, die DiAvEn Labfly UG, die marktschwalbe GmbH, die Murzilli Consulting / M&K Germany GmbH sowie die Akkon Hochschule für Humanwissenschaften

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