Regionalwirtschaft, Netzwerke und Unternehmensleuchttürme – Unternehmensleuchttürme müssen sichtbar sein!

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Am 09.11.2021 fand die Veranstaltung des Projektteams von Prof. Dr. Norbert Zdrowomyslaw zum Thema „Regionalwirtschaft, Netzwerke und Unternehmensleuchttürme“ in Greifswald statt, auf der das seit Jahren laufende Dachprojekt „Standort- und Mittelstandsoffensive MV“ und das neue Buch „Leuchttürme der Wirtschaft MV“ vorgestellt wurden. In dem Buch werden u.a. 86 Firmen und Statements von Regionalakteuren präsentiert. Den rund 50 Teilnehmern wurden spannende Kurz-Vorträge geboten und anschließend konnten die Gäste in lockerer Atmosphäre bei einem Imbiss Gespräche führen. Von 16.30 – 19.00 Uhr tauschten sich die Regionalakteure u.a. über die Situation der Regionalwirtschaft sowie zukünftige Projekt aus. Von Norbert Zdrowomyslaw, Torsten Grundke, Christian Wulf und Projektteam.

 

Als Referenten traten auf: Dr. Wolfgang Blank (GF WITENO GmbH und Präsident Präsident der IHK Neubrandenburg für das östliche MV), Dr. Antje Draheim (Staatssekretärin und Bevollmächtigte des Landes MV), Dr. Andreas Dikow (Vice President Operations Webasto Thermo & Comfort SE), Rolf Seelige-Steinhoff (Geschäftsführender Gesellschafter der SEETELHOTELS), Marian Wilke (Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren IHK Neubrandenburg für das östliche MV), Martin Horst (GF Jackle & Heidi GmbH) und stellvertretend für das Projektteam Prof. Zdrowomyslaw, Torsten Grundke (GF Media Markt TV-HiFi-Elektro GmbH Stralsund), Christian Wulf (Assecor GmbH Standortleiter Stralsund), Marie Braun (Studentin) und Anne-Marie Twieg Absolventin der Hochschule Stralsund.

v.l.n.r. Anne-Marie Twieg, Marie Braun, Christian Wulf, Torsten Grundke, Norbert Zdrowomyslaw, Andreas Dikow, Wolfgang Blank. Foto: Christian Rödel

Die Veranstaltung wurde von Anne-Marie Twieg moderiert. Dr. Wolfgang Blank Präsident der IHK Neubrandenburg für das östliche MV und Geschäftsführer der WITENO GmbH, der ein Geleitwort zu dem Buch „Leuchttürme der Wirtschaft MV“ verfasst hat, hob zum einen die Wichtigkeit der Vernetzung von Regionalakteuren hervor und zum anderen wies er auf die regionalwirtschaftliche Bedeutung von Co-Working und ähnlichen Aktivitäten hin.

Dr. Antje Draheim, Staatssekretärin und Bevollmächtigte des Landes MV, richtete Grußworte an die Teilnehmer und betonte in ihrem Video-Statement die Notwendigkeit, dass das MV-Standortmarketing bundesweit wahrgenommen wird.

Dr. Andreas Dikow, Vice President Operations Webasto Thermo & Comfort SE verdeutlichte zum einen auf anschauliche Art und Weise die historischen Wurzeln des Landes MV als Industriestandort und arbeitete heraus, dass es durchaus einige wichtige Industrieunternehmen gibt, die zwar erheblich zur Wertschöpfung des Landes beitragen, bisher jedoch kaum in der Öffentlichkeit bekannt sind.

Top 100 der weltweit größten Automobilzulieferer mit Standorten in Mecklenburg-Vorpommern:

Nr.   4  ZF (Laage)
Nr. 11  Valeo (Neubrandenburg)
Nr. 12 Lear (Wismar)
Nr. 49 Eberspächer (Torgelow)

Im Bereich der Bekanntmachung und Vermarktung der Industriebetriebe lässt sich noch einiges optimieren, betont Dr. Dikow.

Rolf Seelige-Steinhoff, Geschäftsführender Gesellschafter der SEETELHOTELS, nahm die Gäste in seinem Video-Statement auf eine begeisternde Reise zum Thema „Mit Visionen, Strategien und Innovationen Unternehmen und Regionen weiterentwickeln“ mit. Er machte deutlich, dass ein Unternehmen eine Vision und Mission sowie Strategie haben sollte, um für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein. Sein Unternehmen basiert auf den Werten Liebe, Respekt und Sinn. Es ist wichtig, innovativ zu agieren und gemeinsam mit den Mitarbeitern eine Unternehmens-Individualität aufzubauen und dabei in Hinblick auf die Zukunft nicht den Aspekt der ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit aus den Augen zu verlieren. Als ein Beispiel wies er auf die Kooperation mit der Succow Stiftung hin. Die beste Investition ist, Ressourcen in die Ausbildung der Kinder zu stecken. Vor diesem Hintergrund wird am Standort Trassenheide eine „Kinderuniversität“ etabliert. Schließlich unterstreicht Rolf Seelige-Steinhoff in seinem Vortrag, dass eine Standort- und Mittelstandsinitiative vor allem dann Erfolg verspricht, wenn alle Akteure der Wirtschaft und Wissenschaft begleitet von der Politik gemeinsam auf dieses Ziel hinarbeiten.

 

v.l.n.r. Anne-Marie Twieg, Christian Wulf, Torsten Grundke, Norbert Zdrowomyslaw, Martin Horst, Marian Wilke. Foto: Christian Rödel

Marian Wilke, Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren IHK Neubrandenburg für das östliche MV, machte in seiner Präsentation „Wirtschaftsjunioren wollen Region stärken“ das Engagement der Wirtschaftsjunioren deutlich. Plastisch legte Wilke dar, wie vielfältig die Initiativen und Aktivitäten der Unternehmerinnen und Unternehmer unter 40 Jahren sind, um den Unternehmergeist zu stärken und die Regionalentwicklung zu unterstützen. Um das Land MV weiter voranzubringen brauchen wir viele engagierte und vernetzte Gründer und Jungunternehmer, die innovativ und kreativ in der Region für die Region wirken, sagt Wilke.

Martin Horst, Geschäftsführung Jackle & Heidi GmbH, begeisterte das Auditorium mit seinem mitreißenden Vortrag zu den besonderen Hintergründen zur Gründung des Unternehmens, das mittlerweile mit 20 Mitarbeitern regionale Eissorten vertreibt. Jackle & Heidi GmbH ist eine kreative und innovative Eismanufaktur. Die Idee, eine Eismanufaktur zu eröffnen, kam Martin Horst und seiner Lebensgefährtin Franziska Göttsche, als sie ein Jahr in Australien lebten. Nirgendwo haben sie bisher ein so leckeres Sorbet gegessen. Zurück in der Heimat wagten sie das Abenteuer, besondere Eissorten herzustellen. Mit Erfolg. Die Produktionsstätte befindet sich in Neubrandenburg und eine gläserne Manufaktur mit Café in Penzlin, wo die Produktion präsentiert wird. Jackle & Heidi vertreibt mittlerweile ihr Eis an über 120 Standorten und kommt auch auf Events mit ihrem Ice-Truck, Fahrrad oder Kühlschrank und kreiert sogar als Incentive eigene Eissorten für Unternehmen. Martin Horst zeigte überzeugend und plastisch auf, dass man mit einer natürlichen, authentischen und echten regionalen Wertschöpfungskette mit Zulieferpartnern aus der Region wirtschaftlich erfolgreich sein kann.

Die zentralen Herausforderungen bzw. Botschaften der Vortragenden an die Regionalakteure, Politik, Verwaltung und Unternehmerschaft, sind: Visionen und Strategien für eine erfolgreiche Unternehmens- und Regionalentwicklung sind wichtig, auf die eigenen Stärken gilt es zu bauen und den Standort MV gemeinschaftlich in Netzwerken und Kooperationen zu entwickeln, die Unternehmen sollten bei der Unternehmensnachfolge und bei der Schaffung der Arbeitgeberattraktivität Unterstützung erhalten, die Alleinstellungsmerkmale von MV müssen intensiver für die Entwicklung von Konzepten und die Sichtbarmachung der Attraktivität des Landes als Lebens- und Wirtschaftsstandort genutzt werden, also Tue Gutes und rede darüber!

Welche Schwerpunkte sehen Regionalakteure in Hinblick auf die Regionalentwicklung? Im Folgenden einige Statements:

Knut Schäfer GF Weiße Flotte GmbH: „Entwicklung bedeutet Veränderung. Das setzt nicht nur die Bereitschaft und das Bewusstsein darum voraus, sondern bedarf auch den Mut, die eigene Comfortzone verlassen zu wollen.“

Torsten Grundke GF Media Markt TV-HiFi-Elektro GmbH Stralsund: „Arbeitskräftesicherung ist die zentrale Herausforderung. Wir müssen es gemeinschaftlich schaffen, die Standortattraktivität zu erhöhen und Konzepte zu entwickeln, um die Findung und Bindung von Arbeitskräften zu sichern. Denn, können viele Stellen in den Unternehmen nicht besetzt werden, droht mittelfristig auch ein Stillstand in der Entwicklung und dem Wohlstand unseres Landes.“

Torsten Haasch Hauptgeschäftsführer IHK Neubrandenburg für das östliche MV: „Unternehmensnachfolge ist ja ein Thema, dass schon bei der Existenzgründung für jeden eine Rolle spielen sollte. Neben der geplanten Unternehmensnachfolge kann häufig auch eine ungeplante Unternehmensnachfolge sehr schnell Wirklichkeit werden. Es ist ein Thema, was wir bei der Beratung intensiv mit auf dem Schirm haben. Auf der anderen Seite unterstützen wir eine Initiative, die über die Bürgschaftsbank Mecklenburg-Vorpommern koordiniert wird, wo Nachfolgeinteressierte sich in einer Datenbank anmelden können, die dann auch mit Interessenten, die den Betrieb übernehmen möchten, zusammen gebracht werden. Also das Matching wird dort vorbereitet. Wir haben auf der anderen Seite natürlich auch Finanzierungsberatungen. Jeder Nachfolger braucht Geld, um das Unternehmen zu erwerben und häufig sind die Vorstellungen, die ein abgebender, ehemaliger Unternehmer über den Wert seines Unternehmens hat, völlig andere, als die, die ein Existenzgründer hat, wenn er einen solchen Betrieb kauft. Da ist es schon ganz wichtig, eine vernünftige Unternehmensbewertung vorzunehmen. Dafür braucht man Experten und auch bei der Vermittlung ist die Industrie- und Handelskammer dabei.“

Guido Krüger GF Stralsunder Möbelwerke GmbH: „Man muss innovativ sein. Man muss kreativ sein und man muss die richtigen Mitarbeiter akquirieren, um ein Unternehmen erfolgreich zu führen, dass bundesweit seine Möbel vermarkten muss.“

Synke Ahlmeyer GF UmweltPlan GmbH: „Kompetenz hoch 8 – miteinander zum Ziel. Unsere umfänglichen Referenzlisten zeugen in allen Fachbereichen davon. Viele Ehrungen spornen uns immer wieder an, aber besonders stolz sind wir auf die 2019 verliehene Auszeichnung zum Finalisten des Großen Preis des Mittelstandes.“

Mathias Schilling Inhaber Schillings Gasthof: „Jedes Unternehmen braucht Aufmerksamkeit, für das was es tut, um seine Produkte zu verkaufen. Wir als kleines Unternehmen haben eher weniger Marketingbudget und da ist es wichtig, PR zu nutzen, denn nur so ist ein gutes Storytelling möglich. Bei uns war es so, dass die Story so gut war, dass sogar das Land Mecklenburg-Vorpommern diese Geschichten erzählt hat. Das war der Schlüssel zum Erfolg, weil die Leute genau das bei uns erleben wollten.“

Christian Wulf Assecor GmbH Standortleiter Stralsund: „Mecklenburg-Vorpommern ist ein Land zum Leben und Arbeiten! Lassen Sie uns die Zukunft gemeinsam gestalten und die Digitalisierung für die Entwicklung unseres Landes nutzen. Wir freuen uns darauf.“

Frank Graage Steinbeis Zentrale: Die Steinbeis Institute stehen für den Transfer von Wissenschaft in die Praxis und umgekehrt. „Steinbeis ist ein internationales Unternehmen. Das heißt, wir haben über 6000 Experten in allen Branchen zur Verfügung. Das sind alles Wissenschaftler, die neben ihrer Hochschularbeit bei uns für Unternehmen kleine Projekte bearbeiten, für Beratung und ähnliches tätig sind und dadurch die neusten Erkenntnisse in die Unternehmen bringen können. Wir bieten den professionellen Rahmen dafür, sodass es keine Zusammenarbeit mit den öffentlichen Einrichtungen ist, sondern eine privatwirtschaftliche, unternehmerische Durchführung gewährleistet wird. Die Durchführung und der Transfer gehen so schneller, da die motivierten Kolleginnen und Kollegen direkt an den Unternehmen dran sind. Andersrum geht das Wissen/ Input aus den Unternehmen zurück an die Hochschulen und beeinflusst dort auch die Forschung der Studierenden. International machen wir das Ganze auch: Da sind wir zum Beispiel in der Region bei Enterprise Europe Network tätig. Das ist eine Wirtschaftsförderung der EU. Damit können wir sozusagen den Binnenmarkt in die Region bringen und wer also europäisch zusammenarbeiten will, der wendet sich an uns und wir haben die Partner und stellen den Kontakt her.“

Einen Schwerpunkt in der Projektaktaktivitäten der Regionalentscheider sieht das Team von Prof. Zdrowomyslaw u.a. darin die Kommunikation zwischen den Regionalakteuren im Land weiterzuentwickeln und strategische Netzwerke und Kooperationen sowie regionale Wertschöpfungsketten stärker zu fördern, um die Standortentwicklung und Standortattraktivität Mecklenburg-Vorpommerns weiter voranzutreiben – ein Beitrag dazu könnte die geplante „Zukunftsagentur MV“ leisten.

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