Baustoffknappheit belastet auch ostdeutsches Handwerk schwer

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Potsdam/Dresden/Erfurt. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach pocht darauf, dass Bundeswirtschaftsminister Altmaier schnell Lösungen für die Rohstoffknappheit in der Bauwirtschaft anbietet, damit es nicht zu einer Vollbremsung bei Investitionen komme. Auch die Wirtschaftsminister aus Sachsen und Thüringen haben bereits deutlich gemacht, dass sie die Marktentwicklung mit großer Sorge sehen. „Die aktuelle Knappheit an Baumaterialien wird für das Handwerk und die Bauwirtschaft zunehmend zu einem Problem. Zum Teil sind Materialien gar nicht verfügbar und wenn, dann vielfach zu astronomisch gestiegenen Preisen. Besonders bei Holz sind die Probleme im Handwerk groß“, sagte Minister Steinbach. Die Lieferengpässe würden bereits zu Verzögerungen am Bau führen. „Die Auftragsbücher unserer märkischen Handwerker sind voll, doch die Lieferschwierigkeiten bei Vorprodukten und die extremen Preissteigerungen be- und verhindern aktuell deren Abarbeitung“, so Steinbach weiter.  Der Minister hatte sich dazu in dieser Woche mit den Spitzen der märkischen Handwerkskammern ausgetauscht. Diese hatten Befürchtungen geäußert, dass die stockende Materialversorgung und die extreme Preisentwicklung in den Bau‐ und Ausbaugewerken nicht nur zu steigenden Kosten am Bau, sondern auch zu Baustopps führen und sich als Hemmschuh für eine konjunkturelle Erholung nach Corona erweisen könnte. „Das gilt es unbedingt zu verhindern“, betonte Steinbach. „Allerdings sind die Einflussmöglichkeiten der einzelnen Bundesländer hier sehr begrenzt. Denn es handelt sich um ein Problem auf dem Weltmarkt, das nicht in Brandenburg oder anderen Bundesländern zu lösen ist. Daher ist die Bundesregierung gefordert“, so der Minister weiter.

Die weltweit gestiegene Nachfrage nach Bauholz und anderen Rohstoffen schlägt sich auch deutlich auf die Preise für diese Rohstoffe im Freistaat Sachsen nieder. Vor allem chinesische und US-amerikanische Firmen kaufen derzeit die Vorräte auf dem Weltmarkt auf und verteuern diese. Das Thema der gestiegenen Rohstoffpreise beschäftigt die sächsische Politik bereits seit einigen Wochen. Der Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Martin Dulig, sowie der Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, Wolfram Günther, haben die sächsische Wirtschaft bereits zu einem runden Tisch eingeladen.

Auch Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee sieht durch eine zunehmende Rohstoffknappheit Unternehmen und Arbeitsplätze bedroht . „Bei Holz, Kunststoffen, Baumaterial, aber auch Stahl bekomme ich aus dem Handwerk, aber auch aus der Automobilindustrie immer mehr Hilferufe wegen der Lieferengpässe und sprunghaft ansteigender Preise“, sagte der Minister. Ursachen für die derzeitige Rohstoffknappheit sieht der Thüringer Wirtschaftsminister vor allem in reduzierten Produktions-, aber auch Transportkapazitäten weltweit infolge der Corona-Krise sowie der deutlich erhöhten Nachfrage aus China und den USA. Zudem hätten Holz-, Stahl- und Kunststoffproduzenten die schnelle Erholung der Weltwirtschaft so nicht vorhergesehen und könnten jetzt nicht mit dem Bedarf Schritt halten, so Tiefensee. Die Preissteigerungen etwa bei Stahl lagen im ersten Quartal (je nach Stahlart) bei mehr als 30 Prozent, Holzpreise weisen mindestens eine Verdopplung auf. Lösungsansätze sieht der Minister u.a. in einer schnellen Ausweitung der Stahl- und Kunststoffproduktion, der Sägewerkskapazitäten und in der Erschließung von Recycling- oder alternativen Rohstoffen.

Im Dachdeckerhandwerk berichten beispielsweise über 60 Prozent der Betriebe in Deutschland über Preissteigerungen von mehr als 50 Prozent, einige müssen Steigerungen von über 100 Prozent  hinnehmen. Dies betreffe vor allem Latt- und Schalholz, aber auch Holzfaserdämmstoffe und OSB-Platten seien mittlerweile deutlich teurer geworden. Bei Dachlatten beobachten Betriebe sogar eine Verdreifachung des Preises innerhalb weniger Monate, so der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks.

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