Mitteldeutschland auf dem Weg zur Modellregion für Grünen Wasserstoff

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„Wir laden internationale Unternehmen und Institutionen herzlich ein, Teil unserer Erfolgsgeschichte zu werden“ Von Thomas Einsfelder

H2-Leuchttürme mit internationaler Strahlkraft

In Leuna forscht die Fraunhofer-Gesellschaft an der wirtschaftlichen Nutzung von grünem Wasserstoff. Über Netzwerke an den Planungen beteiligt sind  Global Player wie Siemens, Linde AG, VNG Gasspeicher GmbH, ONTRAS Gastransport GmbH, Terrawatt Planungsgesellschaft GmbH, DBI Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg, Uniper, 50Hertz Transmission GmbH sowie das Fraunhofer IMWS.  Jüngst fand hier der Spatenstich für die Wasserstoff-Elektrolysetest- und Versuchsplattform (ELP) statt – die aktuellen Aktivitäten fördert das Wirtschaftsministerium mit 8 Millionen Euro. Total und Linde würdigten die Projekte in Leuna vor allem, weil sie bereits umgesetzt werden. Weltweit gebe es zwar viele Ideen, doch ein Großteil davon sei noch weit von der Umsetzung entfernt. „Mit der Versuchsplattform ELP und dem im Zuge des Braunkohle-Strukturwandels geplanten neuen Fraunhofer-Institut für Wasserstoff- und Kohlenstoff-Prozesstechnik (IWKP) könnte sich Sachsen-Anhalt als führender Standort im Bereich der Wasserstofftechnologie etablieren und als nationales Kompetenzzentrum wahrgenommen werden“, erklärte auch Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann, der seit Jahren offensiv für eine Wasserstoff-Modellregion Mitteldeutschland wirbt.

Auch ich bin nicht erst seit diesem Spatenstich  in Leuna überzeugt davon, dass Mitteldeutschland allen voran Sachsen-Anhalt, das Zeug hat europaweit zur Modellregion für Grünen Wasserstoff aufzusteigen, denn hier existiert bereits die gesamte Wertschöpfungskette für den Energieträger der Zukunft. Innovative Ideen sind hier schon zu Leuchttürmen gewachsen. In der Wasserstoffmodellregion Mitteldeutschland entsteht eine komplette Wertschöpfungskette, die unter Verwendung erneuerbarer Energien Grünen Wasserstoff herstellt, ihn speichert und transportiert. Als Wirtschaftsförderungsgesellschaft für das Land Sachsen-Anhalt nutzt die IMG dieses Alleinstellungsmerkmal offensiv im Standortmarketing für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort. In unserer Ansiedlungsstrategie bildet der „Grüne Wasserstoff“ einen der wichtigsten Anker im Kompetenzfeld „New Energy/New Mobility“. Gemeinsam mit der Bioökonomie sehe ich hier Möglichkeiten –  gerade auch im Hinblick auf den durch den Kohleausstieg notwendigen Strukturwandel –  Sachsen-Anhalt mittelfristig als Land der Zukunftstechnologien zu positionieren. Wir  laden internationale Unternehmen und Institutionen herzlich ein, Teil dieser Erfolgsgeschichte zu werden. Hier stimmen Know-how, Infrastruktur und Nutzungspotenzial. Davon sind wir überzeugt, wissen um die Bedeutung dieser Potenziale für den Standort. Deshalb sieht sich die IMG als Teil der hier entstandenen Netzwerke aus Wirtschaft und Wissenschaft  und unterstützt Interessenten mit der gesamten Bandbreite unseres Serviceportfolios, leidenschaftlich, professionell und offen für nationale und internationale Forschungs- und Technologiekooperationen, um gemeinsam mit starken Partnern diese Vision zu verwirklichen.

Einzigartige Kooperation über Ländergrenzen hinweg

Und noch etwas finde ich bemerkenswert: Gemeinsam streben die Länder Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt an, die Region als Vorreiter der Energiewende und der modernen Mobilität zu etablieren. Das Eckpunktepapier der Länder zur Entwicklung einer regionalen Wasserstoffwirtschaft ist eine gemeinsame Willenserklärung zum Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft. Eine so breite Kooperation über Ländergrenzen hinweg ist einzigartig. Den Ländern kommt es entscheidend darauf an, schnell einen Markt für erneuerbaren Wasserstoff aufzubauen. Die Chancen der Energiewende sollen mit dem Strukturwandel durch den Kohleausstieg bis 2038 mit dem Markthochlauf einer grünen Wasserstoffwirtschaft proaktiv genutzt werden. Mit dem Anspruch, eine ganzheitliche Wasserstoff-Modellregion zu werden, ist die Abbildung der gesamten Wertschöpfungskette verbunden. Dazu gehören Forschung, Mobilität, Industrie, Brennstoffzellen, Elektrolyseure und die Wärmeversorgung. Sektoren werden in der Region aktiv gekoppelt und der Transformationsprozess der Wirtschaft und Industrie in eine CO2-neutrale Energieregion gestärkt. Die Länder setzen sich dabei insbesondere für eine Anpassung des regulatorischen Rahmens ein, um die Produktion und Nutzung von grünem Wasserstoff wettbewerbsfähig zu gestalten

Hier stimmen Know-how, Infrastruktur und Nutzungspotenzial

Wenn also die Möglichkeiten von Forschung und Entwicklung genutzt werden, zugeschnitten auf den Bedarf der Unternehmen in Mitteldeutschland, ist dies die Antwort sowohl für das Erreichen klimapolitischer Ziele als auch zur Bewältigung der Herausforderungen für die energieintensiven Industrien gerade bei uns in Sachsen-Anhalt. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit könnten so verbunden werden, einen intelligenten Umgang mit beschränkten Ressourcen und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen vereinen. Die europäischen und nationalen Strukturwandelmittel sollten hierfür zielgerichtet genutzt werden. Dass die Region das kann, hat sie schon beim Ausbau der Erneuerbaren Energien bewiesen. Mit über 56 % Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch leistet Mitteldeutschland einen wichtigen Beitrag zur Energiewende in Deutschland. Insbesondere die hohe installierte Leistung der Erneuerbaren Energien ist eine solide Basis zur Produktion von grünem Wasserstoff. Und Sachsen-Anhalt hat Erfahrungen in der großtechnischen Produktion und Nutzung von Wasserstoff. In der Region gibt es zudem ein großes Potenzial zur Nutzung von Wasserstoff im Mobilitätsbereich oder zur stofflichen Nutzung in der Stahl- und Chemieindustrie, in Raffinerien und in energieintensiven Industrien, wie etwa Zement, Glas, Papier. Wenn ausreichend Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Kosten regional hergestellt wird, trägt dies zur Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der energieintensiven Industrie vor Ort bei. Nun muss es  also darauf ankommen, dem aus überschüssigem Solar- und Windstrom erzeugten Wasserstoff auch im industriellen Maßstab zum Durchbruch zu verhelfen.

Freude über den Startschuss der Elektrolyseplattform Leuna: Willi Frantz (Geschäftsführer der TOTAL Raffinerie Mitteldeutschland GmbH), Prof. Dr. Ralf B. Wehrspohn (Vorstand Fraunhofer-Gesellschaft), Gerd Unkelbach (Leiter Fraunhofer CBP), Dr. Sylvia Schattauer (stv. Leiterin Fraunhofer IMWS), Prof. Dr. Armin Willingmann (Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt), Dr. Joachim Wicke (Vorstandsvorsitzender HYPOS e.V., von links). © Fraunhofer IMWS

Der Autor:
Thomas Einsfelder, Geschäftsführer der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG)

Thomas Einsfelder
Thomas Einsfelder, Foto: IMG mbH

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