Energiewirtschaft ist eine der wenigen industriellen Erfolgsgeschichten im Osten

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Berlin. Die Energiewirtschaft sei eine der wenigen industriellen Erfolgsgeschichten, die nach der Wende im Osten geschrieben wurden, sagt Boris Schucht, CEO des Stromnetzbetreibers 50Hertz, im Interview mit W+M-Verleger Frank Nehring und W+M-Chefredakteur Karsten Hintzmann.
W+M: Herr Schucht, bitte beschreiben Sie in knappen Sätzen, was Energiewende aus Ihrer Sicht bedeutet.
Boris Schucht: In erster Linie bedeutet das für mich die Verantwortung, die wir gegenüber unseren Kindern und den nachfolgenden Generationen haben, dass wir einen Planeten hinterlassen, der noch lebenswert ist. Konkret gesagt: Die Energiewende ist eines der größten industriellen Umbauprojekte in der Geschichte Deutschlands. Von der Dimension her ist sie vergleichbar mit der deutschen Wiedervereinigung. Denn die ganze Transformation, die dahintersteht, tangiert am Ende jeden.
W+M: Wie schätzen Sie den aktuellen Stand der Energiewende ein?
Boris Schucht: Wenn wir allein auf die Region schauen, in der 50Hertz aktiv ist, also den Nordosten Deutschlands, kann man sagen: Diese Region nimmt eine absolute Vorreiterrolle ein auf dem Weg zu einer erfolgreichen Energiewende. Der Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch lag hier im letzten Jahr schon bei 53,4 Prozent. Das ist Weltspitze. Wir haben den Anteil der Erneuerbaren Energien in den letzten Jahren stark gesteigert und konnten die Kosten im gleichen Zeitraum unheimlich senken – in unserem Gebiet, aber auch in ganz Deutschland: Anfangs lagen die Einspeisesätze für Photovoltaikstrom bei 54 Cent pro Kilowattstunde. Mittlerweile gab es Auktionen, bei denen die Preise bei rund vier Cent pro Kilowattstunde lagen. Das ist Beleg für eine Erfolgsgeschichte. Deutschland hat drei Technologien – Onshore- und Offshorewind sowie Photovoltaik – zu marktfähigen Preisen erschlossen, die nun international zur Verfügung stehen. So kann der globale Strombedarf immer stärker aus Erneuerbaren Energien gedeckt werden.
Aber natürlich gibt es auch Schwierigkeiten. Wir alle wissen, dass wir das ursprünglich bis 2020 gesteckte Klimaziel nicht erreichen. Wir erfüllen zwar im Stromsektor die Ziele sehr gut, in anderen Sektoren, etwa bei der Mobilität oder der Wärmeversorgung, sehen wir jedoch de facto seit 1990 keine Reduzierungen von CO²-Emissionen.
Vor uns liegt zudem ein ambitioniertes Ziel: Bis 2030 soll der Anteil der Erneuerbaren Energien am Gesamtstromverbrauch bei 65 Prozent liegen. Auf dem Weg dorthin müssen viele strukturelle Fragen entschieden werden – auch die Frage der Zukunft der Braunkohle. Das sind Herausforderungen, denen sich die Gesellschaft, die Politik aber auch wir Unternehmen stellen müssen.

Das gesamte Interview lesen Sie hier oder in WIRTSCHAFT+MARKT 6/2018.

Foto: W+M

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