Wolfgang Tiefensee: In China haben wir die Verhandlungen zur Ansiedlung des Batteriezellenherstellers CATL finalisiert

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Fotos: W+M, Pixabay, W+M (v. l.)

Wolfgang Tiefensee (SPD), Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft in Thüringen, im Interview mit W+M-Chefredakteur Karsten Hintzmann

W+M: Herr Tiefensee, wie wirkt sich die komplizierter gewordene Lage auf internationalen Märkten – etwa durch Trumps Strafzölle, die fortgesetzten EU-Sanktionen gegen Russland, die Situation in der Türkei und den bevorstehenden Brexit – auf die Wirtschaft in Ihrem Bundesland aus?
Wolfgang Tiefensee: Die Auswirkungen sind derzeit geringer als man vermuten könnte. Der Auslandsumsatz der Thüringer Industrieunternehmen ist im ersten Halbjahr 2018 mit knapp sechs Milliarden Euro um fast sechs Prozent gewachsen. Damit trägt er weiterhin zur positiven Entwicklung des gesamten Industrieumsatzes bei. Allerdings sind natürlich Bremsspuren der protektionistischen Maßnahmen erkennbar, etwa ein Rückgang der Exporte in die USA. Auch die erneuten Maßnahmen der Trump-Administration gegen den Iran können sich negativ auswirken, weil Thüringer Unternehmen ihr Engagement dort zuletzt deutlich ausgeweitet hatten.

W+M: Was tun die Landesregierung und Ihr Ministerium konkret, um mittelständischen Unternehmen bei der Erkundung und Erschließung ausländischer Märkte zu helfen?
Wolfgang Tiefensee: Die Thüringer Landesregierung unterstützt die Unternehmen mit zahlreichen Förder- und Dienstleistungsangeboten. Wir übernehmen etwa Teile der Kosten, die Unternehmen bei der Beteiligung an internationalen Messen oder für Kontaktaufnahme mit Partnern im Ausland entstehen. Flankiert wird dieses Angebot durch vom Land unterstützte und organisierte Messegemeinschaftsstände, auf denen sich Thüringer Netzwerke und Unternehmen einbuchen können. Zudem bietet das bei der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen angesiedelte Team „Thüringen International“ jedes Jahr attraktive Delegations- und Unternehmerreisen sowie Messebeteiligungen an.

W+M: Welche Länder sind für Ihr Bundesland die wichtigsten Handelspartner?
Wolfgang Tiefensee: Wie bereits im vergangenen Jahr zählen im ersten Quartal 2018 Frankreich und Ungarn mit jeweils mehr als 260 Millionen Euro zu den wichtigsten Absatzmärkten. Es folgen die USA, Spanien und Großbritannien. Demgegenüber werden mit mehr als 250 Millionen Euro die meisten Waren und Dienstleistungen aus China importiert, es folgen Polen und Großbritannien.

W+M: Als Wirtschaftsminister fungieren Sie auch als Türöffner für den Mittelstand. Welche Länder haben Sie in diesem Jahr besucht?
Wolfgang Tiefensee: Wir waren im Mai in China, damals wurden beispielsweise die Verhandlungen zur Ansiedlung des Batteriezellenherstellers CATL finalisiert, und wir haben mehrere Kooperationen im Sensorikbereich abgeschlossen. Anfang Oktober ging es nach Südamerika, auch da haben wir gute Geschäftsabschlüsse und neue Hochschulkooperationen zu vermelden. Insgesamt lässt sich eine hervorragende Bilanz der Delegationsreisen ziehen.

W+M: An dieser Stelle können Sie drei Exportschlager „made in Thüringen“ nennen. Welche würden Sie stellvertretend erwähnen?
Wolfgang Tiefensee: Da die Thüringer Wirtschaft sehr kleinteilig ist und viele spezialisierte Unternehmen hat, sind auch die Waren, die exportiert werden, breit gefächert. Ich greife also einmal heraus: Sensorik – etwa von Jena-Optronik oder UST Umweltsensortechnik in Geschwenda; Autozulieferteile, zum Beispiel Kurbelwellen von Feuer Powertrain aus Nordhausen; Optik und Medizintechnik – etwa Diagnostikgeräte für die Augenheilkunde von Carl Zeiss Meditec. Aber ich betone: Das ist eine relativ willkürliche Auswahl.

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