Ramona Pop: Unsere Industrie ist heute smart, zukunftsorientiert und auch international gut aufgestellt

0
181

Fotos: Hoffotografen, Pixabay, Berliner Stadtgüter GmbH (v. l.)

Ramona Pop (Grüne), Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe in Berlin, im Interview mit W+M-Chefredakteur Karsten Hintzmann

W+M: Frau Pop, wie wirkt sich die komplizierter gewordene Lage auf internationalen Märkten auf die Wirtschaft in Ihrem Bundesland aus?
Ramona Pop: Die veränderte Lage auf den internationalen Märkten ist in der Berliner Wirtschaft nicht direkt zu erkennen, sorgt aber für Unsicherheiten. Ein starker Fokus liegt hier auf dem Brexit sowie dem Handelsstreit mit den USA. Das Vereinte Königreich ist ein wichtiger Handelspartner Berlins. Insbesondere im Tourismus: Aus Großbritannien kommen die meisten ausländischen Gäste. Mein Haus arbeitet zusammen mit der Industrie und Handelskammer Berlin, unserer Wirtschaftsfördergesellschaft BerlinPartner und der Senatskanzlei im Arbeitskreis United Kingdom an einer Strategie und gezielten Maßnahmen, um auf mögliche Folgen des Brexit für Berliner Unternehmen reagieren zu können. Wir arbeiten daran, dass Berlin vom Brexit profitiert. Die USA gehören zu den Top 4 der Zielländer in unserem Berliner Konzept für Internationale Wirtschaftsförderung und werden deshalb intensiv bearbeitet. Von den derzeit drohenden Zöllen auf Stahl und Aluminium wäre Berlin nicht stark betroffen. Aber natürlich verfolge ich mit Sorge die Abschottungspolitik des US-Präsidenten.

W+M: Was tun der Berliner Senat und Ihre Senatsverwaltung konkret, um mittelständischen Unternehmen bei der Erkundung und Erschließung ausländischer Märkte zu helfen?
Ramona Pop: Wir stärken die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Berliner Wirtschaft und unterstützen vor allem kleine und mittlere Unternehmen bei der Erschließung neuer Märkte im Ausland. Das „Programm für Internationalisierung” bietet kleinen und mittleren Unternehmen sowie Netzwerken modular abgestimmte Unterstützung, etwa bei Messe- und Konferenzbesuchen, Teilnahmen an Gemeinschaftsständen und Delegationsreisen sowie dem Ausbau internationaler Netzwerke an. Mit der „Start Alliance“ wurde ein einzigartiges Netzwerk geschaffen, um Start-ups schneller zu internationalisieren und Berlin als Europas zentrale Anlaufstelle für den europäischen Markteintritt zu etablieren. Bisher entsandte die „Start Alliance“ über 100 Berliner Start-ups in die USA, nach China, Frankreich, Großbritannien und nach Israel.

W+M: Welche Länder sind für Ihr Bundesland die wichtigsten Handelspartner?
Ramona Pop: Mit dem „Konzept Internationale Wirtschaftskooperation“ konzentrieren wir unsere außenwirtschaftlichen Aktivitäten auf wichtige Zielländer und richten sie konsequent auf Innovationsfelder aus. Hieran orientiert sich unsere Förderpolitik, aber auch die Einrichtung von Auslandsbüros und Auslandsreisen. Die 14 Zielländer sind: USA, China, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Schweiz, Polen, Österreich, Schweden, Russland, Indien, Niederlande, Japan, Türkei und Italien.

W+M: Als Wirtschaftssenatorin fungieren Sie auch als Türöffnerin für den Mittelstand. Welche Länder haben Sie in diesem Jahr besucht?
Ramona Pop: Im April 2018 haben wir die erste Berliner Wirtschaftsrepräsentanz in China eröffnet, die als Anlaufstelle für chinesische Unternehmen und Investoren sowie Berliner Unternehmen in China dient. Wir wollen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen aus Berlin dabei unterstützen, nach China zu expandieren beziehungsweise ihr Engagement vor Ort auszubauen. Eine 50-köpfige Unternehmensdelegation begleitete mich nach Peking und Shanghai.

W+M: An dieser Stelle können Sie drei Exportschlager „made in Berlin“ nennen. Welche würden Sie stellvertretend erwähnen?
Ramona Pop: „Made in Berlin“ ist so gefragt wie nie. Die Berliner Industrie ist heute smart, zukunftsorientiert und auch international wieder gut aufgestellt. Lag die Exportquote von Produkten „made in Berlin“ Mitte der Neunzigerjahre noch bei rund 15 Prozent, wird heute mehr als die Hälfte des Umsatzes im Ausland erzielt. Die gemeinsame Innovationsstrategie für die Länder Berlin und Brandenburg konzentriert sich auf die Cluster Verkehr/Mobilität/Logistik, Energietechnik, IKT/Medien/Kreativwirtschaft, Gesundheitswirtschaft und Optik/Photonik. Daraus gehen auch die größten exportierten Warengruppen Berlins hervor.

Hinterlassen Sie eine Nachricht

Please enter your comment!
Please enter your name here