Martin Dulig: Wir müssen noch stärker auf internationale Kooperationen setzen

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Fotos: W+M, Pixabay, SMWA/Rietschel (v. l.)

Martin Dulig (SPD), Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, im Interview mit W+M-Chefredakteur Karsten Hintzmann

W+M: Herr Dulig, wie wirkt sich die komplizierter gewordene Lage auf internationalen Märkten – etwa durch Trumps Strafzölle, die fortgesetzten EU-Sanktionen gegen Russland, die Situation in der Türkei und den bevorstehenden Brexit – auf die Wirtschaft in Ihrem Bundesland aus?
Martin Dulig: Obwohl einige Unternehmen in den betroffenen Märkten agieren, haben sich die sächsischen Exporte insgesamt sehr positiv entwickelt. Im vergangenen Jahr exportierte die sächsische Wirtschaft Waren im Rekordwert von 41,4 Milliarden Euro – eine Steigerung um 13 Prozent zum Vorjahr. Trotz protektionistischer Tendenzen konnten auch die Exporte in unsere wichtigsten Zielländer China, USA und Großbritannien deutlich erhöht werden. Dennoch sehe ich die wachsende handelspolitische Unsicherheit mit großer Sorge. Ich setze mich dafür ein, die internationalen Wirtschaftsbeziehungen zu gestalten, indem wir auch mit schwierigen Partnern im Gespräch bleiben und konstruktiv unsere Interessen und Wertvorstellungen einbringen.

W+M: Was tun die Landesregierung und Ihr Ministerium konkret, um mittelständischen Unternehmen bei der Erkundung und Erschließung ausländischer Märkte zu helfen?
Martin Dulig: Ich bin mir bewusst, dass der Weg ins Ausland gerade für kleine und mittelständische Unternehmen eine besondere Herausforderung darstellt. Deshalb unterstützen wir sie mit gezielten Angeboten. Dazu gehört zum einen die finanzielle Förderung durch den Freistaat Sachsen, etwa bei Außenwirtschaftsberatungen, Machbarkeitsstudien und Messeteilnahmen. Gemeinsam mit den Partnern der Außenwirtschaftsinitiative Sachsen, zu denen die sächsischen Kammern gehören, unterstützen wir aber auch aktiv bei der Erschließung neuer Märkte – mit Gemeinschaftsständen auf internationalen Messen und Unternehmerreisen, aber auch ausländischen Delegationsbesuchen in Sachsen.

W+M: Welche Länder sind für Ihr Bundesland die wichtigsten Handelspartner?
Martin Dulig: Unsere drei wichtigsten Exportmärkte sind nach wie vor China, die USA und Großbritannien. Wichtigste Lieferländer sind unsere Nachbarn Tschechien und Polen sowie die USA. Insgesamt geht fast die Hälfte unserer Exporte in den europäischen Binnenmarkt.

W+M: Als Wirtschaftsminister fungieren Sie auch als Türöffner für den Mittelstand. Welche Länder haben Sie in diesem Jahr besucht?
Martin Dulig: Mein gerade beendeter Besuch in Kanada hat mich darin bestärkt, dass wir künftig noch stärker auf internationale Kooperationen setzen müssen. Die mitgereisten Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Netzwerke haben Impulse erhalten, wie sie dort Tritt fassen und geeignete Partner finden können. Gleichzeitig zog sich das Thema Freihandel durch alle Gespräche – das Handelsabkommen CETA stellt dafür die richtigen Weichen. Mit unseren Nachbarländern Polen und Tschechien verbinden uns natürlich besonders enge Beziehungen. In Polen habe ich beispielweise die größte Industriemesse besucht, aber auch gezielt sächsischen Bahntechnikunternehmen sowie Kreativschaffenden Kontakte in unserer Partnerregion Niederschlesien ermöglicht. In Prag öffnete ich sächsischen Netzwerkvertretern Türen in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Mobilität und Verkehrswesen. Aus der Schweiz kehrte ich mit konkreten Zusagen für Investitionen und Erweiterungen am Standort Sachsen zurück, von denen einige inzwischen bereits umgesetzt wurden.

W+M: An dieser Stelle können Sie drei Exportschlager „made in Sachsen“ nennen. Welche würden Sie stellvertretend erwähnen?
Martin Dulig: Unsere Exportschlager sind Kraftfahrzeuge und Fahrzeugteile, elektrotechnische Erzeugnisse sowie Erzeugnisse des Maschinenbaus. Aber auch unser Know-how bei der Berufsausbildung, also dem Dualen System, wird oft abgefragt.

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