Hendrik Fischer: Wichtigster Handelspartner ist unser Nachbarland Polen

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Fotos: Till Budde, Isabel Herwig, Pixabay (v. l.)

Hendrik Fischer (SPD), Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg, im Interview mit W+M-Chefredakteur Karsten Hintzmann

W+M: Herr Fischer, wie wirkt sich die komplizierter gewordene Lage auf internationalen Märkten – etwa durch Trumps Strafzölle, die fortgesetzten EU-Sanktionen gegen Russland, die Situation in der Türkei und den bevorstehenden Brexit – auf die Wirtschaft in Ihrem Bundesland aus?
Hendrik Fischer: Handelskonflikte und zunehmende Unsicherheiten auf den Weltmärkten stellen auch die brandenburgische Wirtschaft vor Herausforderungen. Die von den USA verhängten Zölle im Stahlbereich treffen die märkische Industrie direkt weniger, da nur knapp zwei Prozent unserer Stahlausfuhren in die USA gehen. Von größerer Bedeutung sind die Umlenkungseffekte im internationalen Handel. Es ist gut, dass die EU mittlerweile Schutzmaßnahmen eingeführt hat, um zu verhindern, dass unsere Stahlproduzenten zusätzlich unter Druck geraten. Eine weitere Eskalation des Handelskonflikts sollte vermieden werden, da er auf jeden Fall beiden Seiten schadet. Die Auswirkungen des Brexit sind noch nicht abzusehen. Es ist ja noch offen, wie ein mögliches Austrittsabkommen genau aussehen wird. Britische Unternehmen sind aber wichtige Handelspartner und Investoren für Brandenburg. Ich würde es begrüßen, wenn eine Lösung möglichst nah am Binnenmarkt gefunden würde. Von den EU-Sanktionen gegen Russland und den russischen Gegensanktionen sind in Brandenburg nur wenige Unternehmen direkt betroffen. Zudem weichen beispielsweise Exporteure von betroffenen Agrarprodukten auf andere Märkte aus. Die brandenburgischen Ausfuhren nach Russland waren schon vor Verhängung der EU-Sanktionen rückläufig. Die Gründe hierfür liegen unter anderem im Ölpreisrückgang und dem damit verbundenen Einnahmeverlust für Russland. Zuletzt sind die Ausfuhren nach Russland wieder angestiegen.

W+M: Was tun die Landesregierung und Ihr Ministerium konkret, um mittelständischen Unternehmen bei der Erkundung und Erschließung ausländischer Märkte zu helfen?
Hendrik Fischer: Die Landesregierung stellt kleinen und mittleren Unternehmen zur Unterstützung der internationalen Markterschließung ein breites Instrumentarium zur Verfügung. Hierzu zählen unter anderem politisch begleitete Unternehmensreisen, die Förderung von Messeauftritten oder Zuschüsse für Beratungsleistungen.

W+M: Welche Länder sind für Ihr Bundesland die wichtigsten Handelspartner?
Hendrik Fischer: Unser wichtigster Handelspartner ist unser Nachbarland Polen mit brandenburgischen Ausfuhren von 1,9 Milliarden Euro und Einfuhren von 3,1 Milliarden Euro. Bei den Ausfuhren steht Polen vor den USA (knapp 1,7 Milliarden Euro) an erster Stelle. Bei den Einfuhren steht Polen nach Russland (3,8 Milliarden Euro) an Nummer zwei. Die Einfuhren aus Russland kommen allerdings fast ausschließlich aus dem Bereich Erdöl und Erdgas.

W+M: Der Ministerpräsident fungiert auch als Türöffner für die heimische Wirtschaft. Welche Länder hat er in diesem Jahr gemeinsam mit Unternehmerdelegationen besucht?
Hendrik Fischer: Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die politische Begleitung von Unternehmensreisen gerade durch den Ministerpräsidenten hilft, neue Kontakte herzustellen und vorhandene Geschäftsbeziehungen zu vertiefen. Die gerade zu Ende gegangene Unternehmensreise nach China hat das eindrucksvoll bestätigt. In diesem Jahr ist der Ministerpräsident auch mit Unternehmensdelegationen nach Israel gereist.

W+M: An dieser Stelle können Sie drei Exportschlager „made in Brandenburg“ nennen. Welche würden Sie stellvertretend erwähnen?
Hendrik Fischer: Die wichtigsten brandenburgischen Exportprodukte kommen aus den Bereichen Luftfahrt, Pharma und Stahlerzeugnisse. Daneben gibt es eine ganze Reihe von hochinnovativen kleinen und mittleren Unternehmen in anderen Bereichen, die erfolgreich auf den Weltmärkten agieren.

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