Armin Willingmann: Mehrere US-Unternehmen haben signalisiert, bei uns investieren zu wollen

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Fotos: Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung Sachsen-Anhalt/Andreas Lander, Pixabay, Ministerium/Matthias Piekacz (v. l.)

Prof. Dr. Armin Willingmann (SPD), Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung in Sachsen-Anhalt, im Interview mit W+M-Chefredakteur Karsten Hintzmann

W+M: Herr Prof. Willingmann, wie wirkt sich die komplizierter gewordene Lage auf internationalen Märkten – etwa durch Trumps Strafzölle – auf die Wirtschaft in Ihrem Bundesland aus?
Armin Willingmann: Zunächst einmal freue ich mich darüber, dass die Unternehmen in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr einen Exportrekord verzeichnet haben. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Warenwert um vier Prozent auf 15,44 Milliarden Euro und erreichte damit den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990. Die eindrucksvolle Außenhandelsbilanz belegt, dass sich die Wirtschaft unseres Landes zuletzt gut entwickelt hat und international noch wettbewerbsfähiger geworden ist. Die erfreuliche Entwicklung ist angesichts der internationalen Konflikte allerdings keineswegs ein Selbstläufer – im Gegenteil: Sollte der Handelskonflikt mit den USA weiter eskalieren, könnte sich das Wirtschaftswachstum in Europa und anderen Teilen der Welt empfindlich abschwächen. Latente Unsicherheitsfaktoren bleiben aber Syrien, die Ukraine und der Brexit. Bedrohlich für die Konjunktur sind aber nicht allein die internationalen Konflikte. Auch der wachsende Rechtspopulismus in Deutschland und den EU-Nachbarländern könnte der Wirtschaft schaden, wenn etwa ausländische Investitionen ausbleiben oder dringend benötigte ausländische Fachkräfte aufgrund rechter Hetze einen Bogen um Deutschland machen.

W+M: Was tun die Landesregierung und Ihr Ministerium konkret, um mittelständischen Unternehmen bei der Erkundung und Erschließung ausländischer Märkte zu helfen?
Armin Willingmann: Aufgabe der Landesregierung ist es, günstige Rahmenbedingungen für außenwirtschaftliche Aktivitäten zu schaffen. Als Minister begleite ich beispielsweise regelmäßig Delegationsreisen, um als „Türöffner“ beim Knüpfen neuer Kooperationen oder bei Markterschließungen zu unterstützen. Zudem haben wir im Wirtschaftsministerium ein Instrumentenset von Förderangeboten entwickelt, zum Beispiel bei Messeauftritten und Beratungsleistungen.

W+M: Welche Länder sind für Ihr Bundesland die wichtigsten Handelspartner?
Armin Willingmann: Von großer Bedeutung ist für die heimischen Exporteure der Handel innerhalb der EU. Rund 78 Prozent aller Waren wurden in europäische Nachbarländer, insbesondere nach Polen, geliefert, knapp zwölf Prozent gingen nach Asien und 7,5 Prozent nach Amerika.

W+M: Welche Länder haben Sie in diesem Jahr besucht? Gab es zählbare Resultate?
Armin Willingmann: In diesem Jahr habe ich bereits eine Delegation in die USA begleitet. Gerade in der außenpolitisch schwierigen Lage war mir die Reise wichtig, denn die USA sind und bleiben für uns in Sachsen-Anhalt ein wichtiger Handels- und Kooperationspartner. In der Rückschau war die Reise auch ausgesprochen erfolgreich, mehrere US-Unternehmen haben signalisiert, in Sachsen-Anhalt investieren zu wollen. Darüber hinaus wurden in meinem Beisein insgesamt vier Vereinbarungen unterzeichnet. Der Magdeburger Medizintechnik-Campus Stimulate kooperiert künftig mit der renommierten Harvard Medical School. Weitere Vereinbarungen sehen vor, dass künftig Start-ups aus Sachsen-Anhalt an Pitch-Nights der Außenhandelskammer in New York teilnehmen können, um sich potenziellen Investoren zu präsentieren. Bei unserem Besuch in Philadelphia ist es zudem gelungen, enge Kontakte mit Regierungsvertretern aus Pennsylvania zu knüpfen.

W+M: Können Sie drei Exportschlager „made in Sachsen-Anhalt“ nennen?
Armin Willingmann: Es gibt nicht „den Exportschlager“, aber viele hoch innovative Produkte. Etwa Stromspeicher von Tesvolt aus Wittenberg, die weltweit verkauft werden. Das Unternehmen wurde jüngst mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet. Und wussten Sie, dass in den ersten 20 Stockwerken des Freedom Towers in New York Glasfenster aus Osterweddingen verbaut wurden?

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